Ich habe es für gewöhnlich nicht so mit dem Besuchen von Orten, die mit Superlativen beschrieben werden. Der Größte, der Längste, der Höchste… Das ist nicht so meins. Als ich allerdings höre, dass Europas kleinster Nationalpark fußläufig von “meiner” Haustür in Südschweden entfernt liegt, ist sofort klar: Da will ich hin. Also auf zu einer Wanderung zum Dalby Söderskog!

Das “Gefährliche” an Superlativ-Zielen ist ja deren potenzielle Vergänglichkeit. Wer sagt mir, dass Dalby Söderskog der kleinste Nationalpark Schwedens bleibt und meine Überschrift nicht bald schon Geschichte ist? Die großformatigen Willkommens- und Infotafeln am Hauptzugang zum Dalby Söderskog beruhigen mich da etwas. Prominent setzt man “den Kleinsten” in Szene, aber eben nicht aufdringlich, sondern mit ganz schön viel Wissensvermittlung zu diesem rund 36 Hektar umfassenden Areal.

Dalby Söderskog ist ein kleines Paradies für Entdecker, ob mit der Kamera in der Hand oder aus Kinderaugenperspektive. Moose und Flechten, Baumstämme und Wurzeln mit markanten Formen und Totholz, in dem sich neues Leben einnistet: Wer einen Blick für solche Details hat, wird Stunden hier verbringen können. Und das, wo die längste Rundtour gerade einmal 2,3 Kilometer lang ist.

Ich habe den leisen Verdacht, mein Mitwanderer wurde nicht selten etwas ungeduldig mit mir, wenn ich abrupt mitten im Satz innehielt, mich über noch einen Baumstumpf beugte, um diesen mindestens sechs Mal abzulichten… Und um direkt im Anschluss ein Stück Moos als Motiv zu finden, “aus dem man bestimmt einmal etwas machen kann”…

DANKE, Sven, dass Du trotzdem noch mit mir wandern gehst! 😉

Während der Wald weitestgehend sich selbst überlassen wird, sind die Wege barrierearm angelegt und für eine breite Besuchergruppe zugänglich. Das wird genutzt: An diesem Sonntag sind alle Altersklassen hier vertreten. Hunde werden ausgeführt, Senioren mit kompletter Wanderausstattung sind ebenso unterwegs wie die junge Familie mit drei Kindern, die sich zum gemütlichen Picknick eingerichtet hat.

Ich finde es einfach toll, zu sehen, wie für viele hier Naturerleben ein ganz selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Noch intensiver bekommen wir das im Naherholungsgebiet Skrylle mit. Dorthin wandern wir über den Dalby Norreskog, um noch eine Runde durch den Wald zu gehen. Es liegt weder Schnee noch ist es besonders warm an diesem Sonntag. Doch die Sonne scheint und es geht trotz der ganz schön vielen Menschen ausgesprochen ruhig zu. Auf Naturspielplätzen wird bis zum Sonnenuntergang getobt. Von den Grillplätzen zieht Rauch in die Höhe und immer wieder überholt uns ganz unaufgeregt ein Jogger.

Zwar mag ich Menschenansammlungen noch viel weniger als Superlativorte und bin in der Natur gerne möglichst alleine unterwegs, doch hier stört mich der “Trubel” überhaupt nicht. Jeder macht, was er will, ohne wen anders zu stören. Natur nutzen, erforschen und genießen – das klappt hier prima!

Und doch bleibt bei uns das Bedürfnis nach “etwas mehr Freiheit” bestehen. Wir suchen uns also einen individuellen kleinen Picknickplatz im Wald. Ein Stück weg von den offiziellen Pausenplätzen, mit weichem Boden und Nachmittagssonnenstrahlen im Gesicht, die durch die hohen Bäume gebrochen werden. Wir sitzen in Sichtentfernung des Weges auf Baumstämmen und haben doch das Gefühl, so ganz für uns zu sein.

Während ich Stille und Tee genieße, merke ich gar nicht, wie frisch es doch nach wie vor ist. Erst, als sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, sehe ich ein, dass wir besser weitergehen, um wieder etwas warm zu werden. Also: Daunenjacke an, Rucksack wieder aufgesetzt und los!

Da wir alleine für den Hin- und Rückweg zum und vom heutigen Wandergebiet rund 16 Kilometer gehen und bereits den etwa acht Kilometer langen Schlenker über Dalby Söderskog gemacht haben, entscheiden wir uns, auf der kurzen Sieben-Kilometer-Route zu bleiben. Die führt uns weiter durch Nadelwald, an kleinen Tümpeln und Birkenwäldchen vorbei. Ein schöner erster Eindruck dieses Wandergebietes!

Ja, Skrylle ist ein typisch schwedisches Naherholungsgebiet, mit kurzen und längeren Rundtouren. Eigene Varianten sind ebenso möglich und für Reiter und Radfahrer sind Extrawege ausgewiesen. Auch eine rund 17 Kilometer lange Schleife des insgesamt über 1.000 Kilometer langen Wanderwegenetzes Skåneleden verläuft durch Skrylle. Angrenzende Naturschutzgebiete vergrößern den Aktionsradius noch weiter. Kurz: Langweilig wird’s hier nicht so schnell. Ich verstehe, warum der Parkplatz an diesem Wintersonnensonntag voll ist, und freue mich schon darauf, Skrylle und Dalby Söderskog auch mal zu einer anderen Jahreszeit zu besuchen!

Info:
Skrylle und der Nationalpark Dalby Söderskog liegen östlich von Lund in Südschweden und sind gut mit dem Bus zu erreichen. Das “Naturreservat Skrylle” ist rund 565 Hektar groß.

Skrylle ist ein Ziel für unterschiedlichste Anspruchsgruppen: Es gibt barrierearme Wege, Jogging-, Reit- und Mountainbikestrecken und solche, die eben nur für Fußgänger gedacht sind. Man kann angeln gehen und im Naturerlebnisraum mehr über Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt erfahren. Alles ist prima ausgeschildert – auch die Infrastruktur an Spiel- und Grillplätzen, Café, Sauna, Toiletten, Aussichtspunkt und Unterständen.
Einzelne Routen sind sogar beleuchtet, so dass man auch früh morgens oder abends seine Runden drehen kann.

Auch wenn Natur zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hat, so lohnt ein Besuch von Dalby Söderskog im Frühjahr ganz besonders. Dann bedeckt ein Teppich aus Buschwindröschen den Waldboden und man spürt, wie die Natur wieder so richtig zum Leben erwacht.

Mein Tipp:
Die Kombination aus einer Tour durch Dalby Söderskog, diesen kleinsten Nationalpark Schwedens und Europas, über das freie Feld Dalby Hage zum Dalby Norreskog und dann auf eine Runde inklusive Picknick durch Skrylle ist ein schöner Tagesausflug. Man erlebt unterschiedliche Landschaftsformen und bestimmt einfach selbst, wie lang die Tour schließlich sein soll.

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