Heranwehender Saharastaub, kalte Nächte und ein sternenklarer Himmel versprechen einen fotografierwürdigen Sonnenaufgang. Warum also den Rucksack nicht mal etwas eher packen, eine kleine Wanderung vor Arbeitsbeginn einbasteln und das Frühstück draußen genießen?

Dankenswerterweise ereignet sich diese Kombination aus Naturphänomen und günstiger Wetterlage recht früh im Jahr. Die Sonne geht erst um 7.13 Uhr auf. Meist sitze ich um diese Zeit mit dem ersten Becher Kaffee an meinem Schreibtisch in Nordfriesland. Es sei denn, ich bin mal wieder in meiner Zweitheimat auf der Schwäbischen Alb und beschließe, dass ein bisschen Alltagsoutdoor am frühen Morgen eine willkommene Abwechslung ist.

Zeit für Übergänge

Hier schaut man nicht übers platte Land, wo sich die Sonne sehr pünktlich zu ihrer prognostizierten Aufgangszeit zeigt. Nein, man sucht sich einen Aussichtsplatz auf der Anhöhe, guckt ins Tal – und wartet, bis sich der erste hell strahlende Lichtbogen über den Waldrand schiebt. Das dauert alles ein bisschen länger als vor meinem Arbeitszimmer im Norden. Doch das Warten lohnt.

Gräulich. Vanillefarben. Orangerot. Himmel und Sonne toben sich aus in der Malkiste. Die Finger werden unterdes kalt am metallenen Gehäuse der Kamera. Als das Morgenlicht seine volle Strahlkraft erreicht hat, verlasse ich meinen Platz auf der Kapfenburg. Zeit, ein paar Schritte zu gehen!
Schon bald kann ich die erste Jacke ausziehen. Gebrochene Sonnenstrahlen wärmen sogar im Wald. Während ich immer wieder noch das eine oder andere Fleckchen Schnee finde. Übergangszeit, jahres- und tageszeitlich. Fantastisch!

Man lernt nie aus: Frühstück zwischen Luxushölzern

Am Wegesrand eine kleine Tafel: “Submissionsplatz” steht darauf. Ich frage mich, was das ist, versuche eine sprachliche Herleitung. Meine Mama erinnert sich, vor Kurzem etwas über eine große Holzauktion gelesen zu haben. Hat das etwas mit diesem Platz zu tun? Ich möchte das wissen, biege ab und stehe vor Holzstämmen der Durchmesser-Kategorie “Das wäre eine schöne Tischplatte”. Zwischen den ordentlich sortierten Holzstämmen ragen wegweiserähnliche Schilder empor. Offensichtlich handelt es sich um die Kennzeichnung der Zugehörigkeit dieser gefällten Bäume zu ihren Besitzern.

Für meine Mitwanderer und mich wird es Zeit fürs Frühstück. Der ausreichend große Tisch samt massiven Holzbänken in der Mitte dieses Sammelplatzes gehört uns. Die Sonne steht so hoch, dass ich schon bald Ärmel und Hosenbeine hochkrempeln kann. Es fühlt sich an wie Frühsommer – Ende Februar!

Die Pausenplatzwahl erweist sich schließlich als doppelter Glücksfall: Ein Mitarbeiter der baden-württembergischen Forstverwaltung schaut nach dem Rechten und beantwortet geduldig unsere Fragen. Ja, hier lagern tatsächlich qualitativ hochwertige Baumstämme, die im Bieterverfahren versteigert werden. Kürzlich ging ein Stamm für über 11.000 Euro weg. Eiche wird viel nach Frankreich verkauft und dort zu Fässern verarbeitet. In der Presse liest man von “Rohdiamanten aus dem Wald” und von einer “Schatzkiste”. Ein schöner, interessanter und exquisiter Pausenplatz!

Tagesstart mit Urlaubsgefühl

Über weiche Waldpfade geht’s schließlich zurück Richtung Hülen und Kapfenburg. Ich habe Frischluft getankt, ein bisschen gefroren und den Vorfrühling genossen. Kaffee, Kuchen und Käse haben draußen mal wieder noch besser geschmeckt als zuhause – und ich bin startklar für den Arbeitstag!

Fazit: “Einfach mal machen” ist ein guter Rat für kleine Alltagsabenteuer. Durch meine Morgentour fühlte sich der Tag ein wenig nach Urlaub an und mit schönen Bildern und Erlebnissen im Kopf kann man ja auch am Schreibtisch nur gute Laune haben!

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.