Hast Du schon mal Pferde gesucht? Nein? Dann komm mit ins Stiftungsland Schäferhaus, ein sanftes Natur- und Naherholungsgebiet bei Flensburg, wo sich Galloways und Wildpferde tummeln! (Und was es mit dem Suchen auf sich hat, verrate ich Dir im Text.)

Ich lasse mich gerne überraschen. Um mich selbst zu überraschen, fahre ich manchmal einfach an einen Ort, den ich auf einer Landkarte als “womöglich gut geeignet für eine Wanderung” identifiziert habe. Das Stiftungsland Schäferhaus ist solch ein Gebiet: Hier kann man gleichermaßen gemütliche Spazierrunden drehen wie auch zu einer größeren Runde starten.

Das Auto stelle ich am Ende der Straße Ihlseeweg ab. Gleich am Eingang zum Stiftungsland ist eine Übersichtskarte angebracht. Ich entscheide, meine Tour auf dem Harrisleer Rundwanderweg Nr. 1 zu beginnen, der mich in südliche Richtung um das Naturgebiet lotst.

Der Wind weht eisig. Dort, wo die Sonne nicht hinkommt, überzieht ein zarter Raureifschleier das Gras. Es fühlt sich ein bisschen wie Winter an – und gleichzeitig bringt die Sonne all ihre Kraft auf, um zu wärmen und den Anschein von Frühling zu erwecken. Herrlich! Ich mag diese Übergangszeiten.

Wiesengrün und Himmelsblau dominieren die Farbpalette. Weitläufiges Weideland wird von niedrigen Wällen und Bäumen durchtrennt. Dünnes Eis auf Wasserflächen holt mich zurück in den Sowas-wie-Winter-Modus.

Schon bald sehe ich zu meiner Rechten die ersten Kühe. Hinter etwas Buschwerk stehen und liegen sie in der Sonne. Genauso wie – das erkenne ich erst auf den zweiten Blick – ein paar Wildpferde. Was für ein Glück: Kaum bin ich hier und schon stehe ich vor einer bewohnten Weide!

Und damit sind wir beim versprochenen Passus über die Suchpferde: Ich frage mich ein bisschen, wie schusselig man sein kann. Während ich bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und Licht von der richtigen Seite vor der Weide stehe, auf der sich flauschige Galloways und Konik-Pferde gemeinsam tummeln, stelle ich fest, dass ich meine Kamera zuhause habe liegen lassen. So nah ich den Tieren auch bin: Das hier ist nix für Handyphotos!

Ein paar Wochen später also komme ich nochmal wieder. Ausgestattet mit der Spiegelreflexkamera, bei anderem, aber dafür etwas spannenderem Licht. Ich sehe Kühe. Und nochmal Kühe. Von Pferden keine Spur. Wobei? Halt, doch: Hier auf dem Boden sind Hufabdrücke. Okay, also bin ich richtig. Oder auch nicht. Ich umrunde die eingezäunten Areale, gehe zum anderen Ende des Stiftungslands. Plötzlich sehe ich sie, in der Ferne. Ich biege ab nach rechts. Gehe und gehe, und wieder ist da nichts. Außer – Ihr ahnt es: Kühen.
Ich gebe auf für heute. Und beschließe, dass Ihr einfach selbst hierher kommen und suchen dürft. Für eigene Eindrücke und Bilder!

Mein Weg führt aus dem Naherholungsgebiet hinaus, über Bahnschienen und durch ein Neubaugebiet in Harrislee. Ich folge nun dem Pilgerweg und ein kleines Stück auch dem Radweg Grenzroute. Diesen Abschnitt geht man direkt auf der Straße. Doch er verbindet eben zwei Naturgebiete – und schließlich auch zwei Länder: Wir sind hier ganz dicht an der Grenze zu Dänemark und folgen jetzt dem Harrisleer Rundwanderweg Nr. 4.

Schon bald erblickt man im Tal den Niehuuser See. Hier mache ich meine Mittagspause und beobachte ein paar Fischer, die sich trotz frostigem Wind in ihren Booten tummeln. Anschließend spaziere ich durch den kleinen Ort Niehuus hindurch und verlasse diesen in nördliche Richtung. Zu meiner Linken erhebt sich im Tal ein kleiner Hügel: der letzte Zeuge einer Burg, die hier im späten Mittelalter als Zollstation und Schutz für die Stadt Flensburg diente.

Heute steht hier der viel diskutierte dänische Wildschweinzaun. Ich gehe über die Grenze und bin nun für ein kleines Stück auf dem Gendarmsti, einem 84 Kilometer langen Wanderweg, der von Padborg bis nach Skovby auf der Insel Als und damit auf der dänischen Seite entlang der Flensburger Förde verläuft.

Hier, ganz am Anfang des Weges, geht’s durch Wald und eiszeitliches Hügelland. Ich schaue von oben auf den See, den ich nun mit etwas Abstand umwandert habe. Am Westufer liegt ein größerer Pausenplatz und eine Übersichtskarte hilft bei der Orientierung.

Für mich geht es wieder über die Grenze und zwischen Feldern und Neubaugebiet zurück ins Stiftungsland. Es ist inzwischen dämmerig. Auf teils matschig-aufgeweichten Pfaden umrunde ich das Naherholungsgebiet und beende meine gemütliche Runde auf dem Weg, auf welchem ich gestartet bin, dem Harrisleer Wanderweg Nr. 1.

Info & Tipps:
Das Stiftungsland Schäferhaus liegt westlich von Flensburg. Es ist insgesamt rund 420 Hektar groß und von etlichen Wegen und Pfaden durchzogen. Es eignet sich prima für kleinere Spaziergänge und als Ausgangspunkt für eine Wanderung, die mehrere Wege kreuzt und kombiniert: die lokalen Wanderrouten um Harrislee, den Pilgerweg entlang des Ochsenweges und ein Stück des süddänischen Gendarmenpfades (dän. Gendarmsti).

Das Stiftungsland Schäferhaus war bis 1998 militärisches Übungsgelände. Heute liegt der Nutzungsfokus auf Naturschutz und Naherholung.
Infostationen entlang der Wege geben Einblick in Archäologie, Geschichte und Landschaftsentwicklung. Und Überblickskarten an den Parkplätzen

Es gibt mehrere Eingänge; am besten einfach auf eine Karte schauen und den je nach Anreiserichtung nächstgelegenen wählen!

Für Naturfreunde, die gerne mal eine Nacht draußen verbringen, gibt es auf dem Areal des Stiftungslands Schäferhaus auch einen einfachen Natur-Übernachtungsplatz. Mehr zu diesem und weiteren solchen Plätzen in Deutschlands Norden findet man unter dem Stichwort “Wildes Schleswig-Holstein”.

Tipp:
Das Stiftungsland ist eine gute Wahl, wenn es an der Küste mal wieder anstrengend doll weht und man bei Windböen auch nicht unbedingt durch dichte Wälder gehen möchte.

Die hier beschriebene Tour ist etwa 16 Kilometer lang. Sie beginnt am Ende der Straße Ihlseeweg, führt gegen den Uhrzeigersinn um das Stiftungsland, bis zum markanten Unterstand am nördlichen Rand. Hier geht man nach rechts, am Ende des Pfades nach links und folgt anschließend dem Pilgerweg durch Harrislee. Nach dem Neubaugebiet geht es nach rechts und bergab, bis man am Niehuuser See ankommt. Ein Picknickplatz liegt direkt am Weg; ein kleiner Steg lädt zu einem Abstecher “auf den See” ein.

Vom See an geht man bergauf, hält sich zweimal links und kommt zur Infotafel über die Burg Neuhaus. Hier biege ich links ab und folge dem Gendarmenpfad durch Wald und Feld. Kurz bevor es wieder über die Grenze nach Deutschland geht, stoße ich auf einen großen Pausenplatz mit mehreren Tischen und Bänken. Direkt am See gelegen und mit Überblickskarte. Ich folge der Beschilderung, bis es am Ende eines kleinen Anstiegs scharf links zurück ins bereits durchwanderte Neubaugebiet von Harrislee geht. Den Weg zurück ins Stiftungsland kennen wir vom Hinweg. Und nun ist es an Dir, zu entscheiden, auf welchem der Wege und Pfade Du zurück zum geparkten Auto gehst!

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