Nah hinter der Grenze zu Dänemark und direkt an der Nordseeküste gibt es gut ausgeschilderte Spazier- und Wanderwege, auf denen man die Gegend zwischen Watt, Deich und Marschland erkunden kann. Komm einfach mal mit – auf eine Runde durch die Ballummarsch!

Grüne Deiche. Darauf gold schimmernde Strohballen. Wind, der den Kopf freipustet und Dir mit jeder Sekunde eine neue Frisur verpasst. Salz auf den Lippen und auf Deinen Händen. Eine Landschaft, die ruhig wirkt und zugleich geprägt ist von stärkster Naturgewalt. Gegensätze, die leise daherkommen und Dich im nächsten Augenblick staunen lassen. Geschichte und regionaltypische Architektur, weite Felder und immer wieder vereinzelte Bäume, die Dich daran erinnern, woher der Wind meistens weht. Das ist Nordsee, Marschland, Dänemark.

Ich bin also unterwegs in der Ballummarsch. Auf einer kleinen Wanderung, die mal wieder ein Beweis dafür ist, dass es sich lohnt, die Entdeckertouren vor der eigenen Haustüre zu beginnen. Und die zeigt, dass man sehr wohl auch im Flachland, in Dänemark und an der Nordsee wandern kann!

Ballum liegt keine halbe Autostunde hinter der deutsch-dänischen Grenze, an der Westküste. Direkt vor dem Deich, von dem aus man nach Sylt und auf die dänische Urlaubsinsel Rømø blickt. Meine heutige Wanderregion ist Teil des Nationalparks Wattenmeer, wo es – abgesehen von den Deichen – flach ist, und wo seit jeher das Meer, der Wind und das Wetter Land und Menschen geprägt haben.

Die Kirchspielgemeinde Ballum (dän. Ballum Sogn), die zur Kommune Tønder gehört, besteht aus mehreren Ortsteilen, welche für Spaziergänger und Wanderer alle mit lokalen Routen erschlossen und verbunden sind. Es gibt eine gelbe Route (fünf Kilometer lang, Start ab Ballum-Kirche), eine rote (neun Kilometer lang, mittlerer Teil der Gemeinde) und eine grüne. Letztere gehe ich und umrunde auf rund zwölf Kilometern die drei Siedlungsgebiete von Ballum.

Ich wähle einen kleinen Parkplatz direkt an der Küste bei Husum-Ballum als Startpunkt. So beginnt und endet meine Tour am Meer. Beziehungsweise erst einmal mit dem Blick aufs Watt. Denn: noch ist hier Ebbe.

Ein wenig verrückt muss man vielleicht sein, um an einem Tag wie heute an der Nordsee spazieren zu gehen: der Wind kommt mit einer Stärke von sieben bis acht Beaufort aus Westen. Gut für kopffrei und ein bisschen Training, denn etwas gegenhalten muss man da schon auf dem Deich.

Ich gehe nordwärts und schaue auf die Silhouette der Häuser rund um die Kirche von Ballum. Mit Reetdächern und Stockrosen vor den Klinkerwänden ist das hier Dänemark wie aus dem Bilderbuch und lohnt einen kleinen Abstecher.

Die Siedlungen von Vesterende Ballum und Østerende Ballum wurden 2007 als “einzigartige Kulturmilieus mit bewahrenswerten Charakterzügen” in den Wattenmeer-Kulturerbeatlas aufgenommen. Ein umfangreiches Programm zur Instandsetzung historischer Häuser wurde etabliert. Das Ergebnis ist zum Beispiel rund um die Kirche zu sehen, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Nördlich der letzten Häuser geht es den Deich hinab. Windschatten! 😌 Mein Weg führt vorbei an historisch-markanten Gattern und Windrädern. Den Wind habe ich jetzt im Rücken. Vor mir: top gemähte Wege, die zwischen Feldern hindurch führen.

Mir fällt auf: nicht nur, dass die Wanderwege in einem auch auf Deutsch verfügbaren Faltblatt (“Spuren von Ballum”) beschrieben sind, nein, auch die Beschilderung unterwegs ist prima. Nie zu viel, aber immer da, wenn nötig. Während ansonsten gilt: wenn nicht anders angezeigt, immer geradeaus.

Es riecht nach Feldrandkamille und die Lichtstimmung wechselt mitunter minütlich. So schnell treiben Wolken und Wetter über mich hinweg. Außer dem Rauschen des Windes und Vogelgepiepe höre ich nichts und bin ganz alleine unterwegs. Erst später auf dem Deich begegne ich zwei Personen.

Eine perfekte Szenerie, um auf den gut zu gehenden Graspfaden die Gedanken schweifen zu lassen. Solange, bis ich gen Westen abbiege und auf ein paar hundert Metern von vorne angepustet werde. Der Weg führt nun wieder direkt aufs Meer zu. Vorbei an noch mehr Feldern und Klinker-Rosen-Idylle.

Wo beim Start meiner kleinen Tour noch dunkelgraues Watt das Wasser und erstes Landgrün trennte, rollen nun Wellen. Weiße Schaumkronen dekorieren die See, während am Horizont die Fähre von Rømø hinüber nach Sylt ablegt. Ja, die Gezeiten gehören zum Leben in diesem Landstrich; und Wind und Wasser sorgen mit größtmöglicher Zuverlässigkeit dafür, dass dieser Landstrich bei jedem Besuch wieder anders aussieht.

Ein bisschen froh bin ich, als ich schließlich im Auto sitze und meine Jacke ausziehe. Froh, weil ich im Warmen bin. Vor allem aber froh, weil ich mich aufgemacht und dem pustigen Gefährten getrotzt habe. Die Belohnung dafür ist unbezahlbar, denn schließlich ist es dem Wind zu verdanken, wenn man innerhalb kurzer Zeit so viele verschiedene Stimmungen an Licht, Farben und Wolkenformationen erleben darf.

Kurzinfo:
Die “Spuren in Ballum” sind gut ausgeschilderte und einfach zu gehende Wege von fünf, neun und zwölf Kilometern Länge, mit ausreichend Rastmöglichkeiten unterwegs. Man bekommt einen guten Eindruck von der Landschaft und Natur zwischen Meer, Marsch und ersten Geestrücken.
Einziger Wermutstropfen für diejenigen, die kein Dänisch können: die Infotafeln am Wegesrand, die Interessantes zur Region vermitteln, sind leider nur auf Dänisch. Deshalb unbedingt den an den Parkplätzen bzw. Startpunkten der Routen in gelben Kästen (siehe Photo) versteckten Flyer auf Deutsch mitnehmen! 🙂

Tipp für einen Tagesausflug:
Ballum liegt an der Straße 419, dem Kystvej, der hoch zu dem Damm führt, über den man auf die Insel Rømø gelangt. Wie wäre es mit einem zweigeteilten Tagesausflug: ein bisschen Spazierengehen in der Marsch und dann die “große Freiheit” auf Rømøs riesigem Sandstrand genießen? Mit Dünen erklimmen, Muscheln sammeln, durchpusten lassen…

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