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Zeit für die leisen Töne: Gedanken zur Winterzeit

Die leisen Töne haben es oftmals schwer. Sie werden überhört, ignoriert, übertönt. Dabei sind es gerade in der Natur die feinen Nuancen, die zum bewussten Wahrnehmen einladen und uns dadurch vieles von dem lehren, was heutzutage in aller Munde ist: Achtsamkeit, Langsamkeit, Aufmerksamkeit.

Eiskristalle_@Andrea C. Bayer

Auch als leiser Mensch hat man es schwer in einer lauten Gesellschaft. Wer laut ist, wird gehört und gesehen. Wer kräftig die Werbetrommel rührt, hat mehr Kunden. Wer Menschen um sich schart, scheint erfolgreich zu sein. Wer aber definiert, dass Erfolg von uns allen auf gleiche Art verstanden werden muss? Ich zum Beispiel setze im beruflichen Kontext auf Vertrauen, Kontinuität und gemeinsames Wachsen und freue mich über Erfolg in Form von guten, langjährigen Partnerschaften. So fühlen sie sich dann nämlich an, die Beziehungen zwischen Auftraggeber und -nehmer: Wir begegnen uns auf Augenhöhe, wir sind ehrlich zueinander und finden wertschätzende Worte im Alltag.
Die sind nicht laut, doch dringen sie tief. Sie berühren und geben mir etwas, das ich in manch anderem Zusammenhang vermisse: das gute Gefühl des aufrichtigen Miteinanders und eine angenehme Art der gegenseitigen Verantwortung, aus der heraus immer neue Ideen für Projekte und Weiterempfehlungen erwachsen. Ruhig, unaufgeregt und ohne zu viele Worte.

Wohlfühlwünsche

Für leise Menschen ist die Sache mit dem Wohlfühlen häufig eine sehr wichtige, zusammen mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und dem Wunsch, wirklich gehört zu werden. Fehlt das ehrliche Interesse, verschließen wir uns. Aus den leisen Tönen wird Stille. Wir ziehen uns zurück, obwohl wir physisch anwesend sind. Unsere Schutzmauern sind aktiv. 

Draußen in der Natur brauche ich keine Schutzmauern. Ich darf meinen Gedanken nachhängen und mich an Details erfreuen, die ich im Moment wahrnehme. Meine Sinne dürfen mit großer Freude und Entdeckerdrang arbeiten und senden Botschaften ans Gehirn, die gleichermaßen entspannen und mir neue Energie geben. Ich muss nicht laut sein und sollte es am besten auch nicht. Wie gut das doch tut, jedes Mal aufs Neue!

Winterwald_@Andrea C. Bayer

Mich irritiert es inzwischen sehr, wenn auch im Draußen die lauten Töne Einzug halten. Wenn Rücksicht auf die Lebewesen in Wäldern, Mooren und Seen, andere Menschen und die Verletzlichkeit unserer Umwelt keine Rolle zu spielen scheint und die Natur zum Rummel wird.
Ich habe den Rummel noch nie gemocht. Erst recht nicht den überinszenierten. Es mag so sein, dass ich mich deshalb dort besonders zuhause fühle, wo keine anderen Menschen sind. Ich mag die stille Zeit für mich selbst. Das Erlebnis ist ein anderes und auf besondere Art intensiv, wenn man alleine in der Natur unterwegs ist.

Die Qualität der ruhigen begegnungen

Jetzt ist Winter und das ist auch in unserem mitteleuropäischen Kulturkreis ganz ursprünglich die Zeit, in der Ruhe Einzug halten darf. Wie sagte eine schwedische Bekannte unlängst: „Es hat einen Sinn, dass es im Winter lange dunkel und wenig hell ist. Wir sollen uns eine Pause gönnen und zur Ruhe kommen.“ Wie recht sie hat, in meinen Augen. Auch die Natur hält jetzt inne und sammelt Kraft für den nächsten Jahreszeitenzyklus. Da darf der Winter mit Schneezucker und Drinnengemütlichkeit getrost zur Zeit für die leisen Töne werden. Wenn wir sie zulassen, in diesem hektischen Höherschnellerweiteralltag, in welchem Gegenbewegungen mit lauter Stimme zu Achtsamkeit, Langsamkeit und Aufmerksamkeit auffordern. Ein wenig bizarr ist das schon.

Da denke ich mir: Haben wir es nicht selbst in der Hand, uns immer wieder einmal nach innen zu richten und die laute Welt verstummen zu lassen? Zugegeben, einfach ist das nicht. Das tiefe Bedürfnis nach echter Ruhe und leisen Reizen bleibt oftmals unverstanden. Dabei haben die leisen Augenblicke, Beobachtungen und Töne eine so große Kraft. Vielleicht hören wir gerade jetzt, wo Schnee die Landschaft bedeckt und alles etwas gedämpfter erscheint, einmal etwas bewusster auf sie und auf die Qualität, die in den ruhigeren Begegnungen steckt.

Wintermeer_@Andrea C. Bayer

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