Måkläppen in Südschweden. Naturschutzgebiet. Sandbank. Südwestlichster Zipfel. Dazu Seehunde im Spätnachmittagslicht und eine Halbinsel, die wie gemacht ist für eine Tagestour zu Fuß. Insbesondere, wenn die Wanderung zwischen November und Ende Januar stattfindet. Dann nämlich darf Måkläppen betreten werden und man kann die behäbig-drolligen Meeressäuger aus nächster Nähe beobachten. Winterwandern kann also auch ohne Schnee schön sein!

Die Überraschung ist gelungen: Ich bin mit einem Freund zum Wandern in Skåne, der südlichsten Provinz Schwedens, verabredet. Wir wollen ein Stück auf dem insgesamt über 1.000 Kilometer langen Skåndeleden gehen. Beziehungsweise eine Rundtour, die zum Teil auf diesem recht populären Wegesystem, das Skåne durchzieht, verläuft. Strand, Dünen, ein paar Birken und Blicke übers freie Feld, auf die Öresundbrücke und hinüber nach Dänemark: Ja, das hatte ich erwartet. Aber eine ganze Kolonie Seehunde…?

Måkläppen ist ohne Frage ein zurecht beliebtes Ziel – nicht nur für uns. Je näher wir dem Naturschutzgebiet kommen, umso mehr Menschen haben wir um uns. An einem Freitag Nachmittag im Januar. Der Ausrüstung nach: Fotografen, Ornithologen (Ja, Vogelbeobachtung lohnt hier auch, wie etliche Schilder neben dem nicht misszuverstehenden Equipment mancher Mitwanderer bestätigen.) und Spaziergänger, die sich auf dem Weg zur Sandbank die Mütze nochmal tiefer über Stirn und Ohren ziehen.

Der Wind ist eisig, obwohl die Sonne merklich ihr Bestes gibt. Ungebremst fegt der Wind über uns hinweg. Er kommt aus Südwesten, also direkt übers Meer. (Ob er stellvertretend für Schnee geschickt wurde, um uns daran zu erinnern, dass es trotz der vorherrschenden Plusgrade und blauem Himmel noch Winter ist…?)

Als wir Måkläppen erreichen, haben wir die ersten rund zwölf Kilometer in den Beinen. Wir sind mit dem Bus bis Ljunghusen gefahren, von dort der orangefarbenen Beschilderung des Skåneleden Nummer 5 (SL 5) gefolgt. Entlang der Bucht Höllviken, über satt grüne Wiesen und an neugierigen Schafherden vorbei.

Immer wieder klettern wir über Gatter und halten Ausschau nach teilweise kleinen Trampelpfaden durch das flache Hinterland der Bucht Höllviken.

Als wir den nördlichen Strandabschnitt von Skanör erreichen, beginne ich, zu trödeln: Zu hübsch wirkt die Szenerie aus hellblauem Himmel, tiefblauem Wasser, auf den Strand rollenden Wellen und bunten Badehäuschen. Verzückt hüpfe ich von einer Sandkuhle zur nächsten, versuche, die für den Moment beste Perspektive mit Badehäuschenbunt und ein paar Halmen davor einzufangen. Mein Fokus liegt auf Blau:

Und mit dieser Wahl wiederum liege ich goldrichtig. Eine Frau spricht mich an. Es ist ihr Häuschen, um das ich da gerade herumschleiche. Was für ein Zufall! So erfahre ich gleich noch ein wenig über die Besitzregeln der Häuschen – und zu den Befahrungsregeln zu Wasser. (Ja, Ihr ahnt es: Natürlich juckt es mich in meinen Paddelfingern, hierher auch mal mit dem Kajak zu kommen.)

Ein kleiner Schlenker zum Hafen von Skanör, dann wandern wir direkt an der Wasserkante entlang in Richtung Leuchtturm Falsterbo. Links ein Golfplatz, rechts das Meer. Und schließlich ein Pausenplatz mit Windschutz und Sonne im Gesicht!

Nicht ganz leicht wird uns der Weg hinüber ins Naturschutzgebiet gemacht: Allüberall steht viel Wasser; es bleibt nichts Anderes übrig, als sich auf die improvisierte Anlage einer Art Brücke zu verlassen – und sich, mit einem “Sicherheitsstock” in der Hand, dabei für einen Augenblick unweigerlich an Pilgererlebnisse zu erinnern.

Als wüssten sie um den Effekt der Belohnung, haben sich die Seehunde ganz am Ende der zu erwandernden Landzunge niedergelassen. Dicht an dicht liegen die Tiere an Land. Es scheint als genössen sie das warme Nachmittagslicht mindestens so sehr wie wir es tun. Nur immer mal wieder hebt sich ein Kopf oder eine Flosse. Mehr Bewegung tut nicht Not. Im Unterschied zu den Artgenossen, die im Wasser herumtoben und -tollen. Immer wieder taucht ein Paar dunkler Knopfaugen hinter einer Welle auf. Unermüdlich wirkt dieses Spiel.

Ein Stück weiter südlich, wo auch wir stehen, ist es ruhig. Neben uns wechselt ein Fotograf mit der für diese Situation richtigen Ausstattung seine Position. Eine Handvoll Menschen harrt mit respektvollem Abstand zu den Tieren im – so kommt es mir jedenfalls vor – immer frostiger werdenden Wind aus. Bis es schließlich Zeit ist, langsam zurückzugehen. Ehe die Sonne im Meer versinkt…

Info & Tipps:
Weitere Infos und Kartenausschnitte zur beschriebenen Tour gibt es auf der offiziellen Seite des Skåneleden. Hier haltet Ihr Euch am besten an den Tourvorschlag “Um die Halbinsel Falsterbonäset”: Diese Rundwanderung ist 31 Kilometer lang, kann aber nach Belieben gut abgekürzt und variiert werden.

Måkläppen und die Halbinsel Falsterbonäset bilden die südwestlichste Ecke Schwedens. Sandstrände und Dünenlandschaft kennzeichnen die Küstenlinie.
(!) WICHTIG: Unbedingt vor dem Start die Zeiten prüfen und beachten, in denen Måkläppen betreten werden darf! Das ist zwischen November und Ende Januar der Fall. (Stand: Januar 2020)

Die Wege sind gut ausgeschildert: Der Skåneleden ist mit orangefarbenen Täfelchen markiert. Übersichtskarten und Infotafeln sorgen für Überblick und Detailwissen am Rande des Weges.

Falsterbonäset ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Skånetrafiken) erreichbar. Bushaltestellen in Ljunghusen und Falsterbo bieten sich für eine ähnliche Tour wie die obige an. Auch die Infrastruktur an – auch im Winter geöffneten und zum Teil sogar beheizten – öffentlichen Toiletten ist prima.

>> Alle Infos Stand Januar 2020; ggf. bitte selbst prüfen!

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