Eine gemütliche Hütte jenseits des Skitrubels, zwei Paar Schneeschuhe und eine riesige Portion gute Laune. Dazu feinster Neuschnee, Sonne satt und knusprige Waffeln oben im Fjäll – fertig ist die perfekte Winterauszeit. Dass uns diese in den berühmten Skiort Åre geführt hat, bringt meine langjährige Freundin Deborah und mich noch immer zum Schmunzeln.
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Wir beide lieben ruhige Orte und solche ohne viele Menschen und Trubel. Nun sind wir in Åre gelandet und fühlen uns vom ersten Moment an erstaunlich wohl. Was auch damit zu tun haben mag, dass unsere Hütte etwas außerhalb liegt.
Åre ist einer der populärsten Skiorte in ganz Nordeuropa. Unweit der Grenze zu Norwegen fiebert man hier im Dezember der ersten Abfahrt des Jahres entgegen und packt die Skier erst im Mai ins Sommerquartier. Ob Abfahrt, Langlauf oder Tourengehen: In der Region Jämtland Härjedalen hat man im Winter Skier an den Füßen. Hier trainiert die Elite und neue Eliten wachsen heran.
Deborah und ich sind die Exoten. Mit unseren Schneeschuhen an den Füßen stapfen wir übers Fjäll, die roten Wegkreuzen entlang, welche traditionell die Winterwege markieren. Immer wieder werden wir angesprochen. Immer wieder erklären wir: „Ja, das sind Schneeschuhe.“ Obwohl diese mitten in Åre von den OutdoorBuddies verliehen werden und Åre Nature Adventures unter anderem geführte Schneeschuhtouren anbietet, ist diese uralte Fortbewegungsart hier noch eine Nische. Ob Deborah und ich womöglich so etwas wie Trendsetter sind …?
Mit dem Nachtzug nach Åre
Wir lachen beide bei dem ausgesprochenen Gedanken und fühlen uns doch Tag für Tag genau so. Nun aber der Reihe nach: Es ist gerade hell geworden, als uns der Nachtzug aus Stockholm in Åre ausspuckt. Der Supermarkt im Bahnhofsgebäude hat soeben aufgemacht. Im Kiosk nebenan holen wir uns ein erstes Frühstück. Bei Kaffee, Tee und Zimtschnecke werden wir langsam wach. Wir klären mit dem Vermieter unserer Holzhütte in Brattland, dass wir gegen Mittag ankommen. Magnus scheint das ebenso recht wie im Grunde vollkommen egal zu sein. Willkommen in der schwedischen Gelassenheit!
Wir schließen unser großes Gepäck ein, bummeln eine Runde durch Åre, holen Leih-Schneeschuhe für Deborah ab und erledigen unseren Einkauf. Vollstens bepackt mit Trolleys, Rucksäcken und Supermarkttaschen steigen wir in den Bus. Der hält praktischerweise direkt unterhalt der Minisiedlung, zu der unsere Hütte gehört.
Auf dem Sankt Olavsleden zum Ristafallet
Brattland ➾ Ristafallet ➾ Haltestelle Undersåker/Hållandsgården
ca. 14 km • 307 hm ↥ • 420 hm ↧
Der gut ausgeschilderte Pilgerweg führt über Anhöhen und durch Wald hindurch. Auf knapp der Hälfte der Strecke gibt es einen Shelter mit Aussicht. Der Weg ist gut zu gehen und dann zu empfehlen, wenn wirklich ausreichend Schnee liegt. Bei uns war’s teilweise schon arg an der Grenze für Schneeschuhe. Und auf dem letzten Abschnitt Richtung Wasserfall muss man je nach Wetterlage mit vereisten Stellen rechnen.
Lange hält es uns nicht drinnen. Es ist sonnig und der Anstieg hinter der Hütte scheint uns das ideale Testfeld für die erste gemeinsame Runde auf den Schneeschuhen zu sein. Wir stapfen munter drauf los. Bald schon mache ich eine kleine Pause. Puh! Die ersten Meter sind doch jedes Mal aufs Neue anstrengend.
Die Sonne hat den Südhang schon gut abgetaut. Ein Stück weiter im Wald sind die Bedingungen ideal. Wir erkunden einen Abschnitt des Sankt Olavsleden. Der rund 580 Kilometer lange Pilgerweg führt auf seinen letzten Etappen von Östersund über Åre ins norwegische Trondheim. Schon morgen werden wir ihm ostwärts folgen. Auf einer Tour ab Hüttentür und bis zum 14 Meter hohen Wasserfall Ristafallet.
Ristafallet erlangte in den 80er-Jahren Berühmtheit: Szenen der damaligen Verfilmung von „Ronja Räubertochter“ spielen hier. Als Deborah und ich am Vormittag starten, wünschen wir uns hier und da etwas mehr Schnee. Über manche Abschnitte könnten wir bereits ohne Schneeschuhe gehen. In den Wäldern sieht das zum Glück anders aus. Wir genießen jeden Schritt im tiefen Schnee und die Ruhe um uns herum.
Wir machen Mittag am Wegesrand. Es wird Zeit für etwas Energiezufuhr und Wärme von innen. Die Sonne versteckt sich heute; der Wind pfeift mitunter eisig. Den einzigen und dafür hübsch-geräumigen Shelter erreichen wir kurz nach der Mittagspause. Immerhin eine schöne Aussicht aufs gegenüberliegende Fjäll haben wir von hier.
Es ist schon spät am Nachmittag, als wir am Wasserfall ankommen. Ein paar eisige Abschnitte haben uns langsamer werden lassen. Jetzt atmen wir einmal durch. Wir sind ganz alleine an diesem bekannten Ort. Das Wasser gluckst und rauscht unter den dicken von der Natur gezauberten Eisskulpturen. Wir lassen unsere Blicke schweifen. Sie wandern über eisig blaue, grünliche und gelbliche Formationen. Dazwischen fließt tief dunkles Wasser. Wir folgen ihm ostwärts, passieren die Quelle Olofs Källa und werden an der Haltestelle von Hållandsgården direkt an der E14 wieder von einem Linienbus eingesammelt.
Mit Neuschnee und Sonne ins Fjäll
Parkplatz Ullådalen ➾ Lillåstugan ➾ Haltestelle Åre Kläppen E14
ca. 5,5 km • 57 hm ↥ • 334 hm ↧
Diese kleine Runde ist eine echte Genusstour. Man kann natürlich auch von Åre aus auf- und dann in die ausgeschilderten Wege im Fjäll einsteigen. Für uns war die Variante mit dem Taxi von Åre zur Lillåstugan (etwa 400 SEK) an jenem Tag genau richtig und der ruhige Abstieg von der Hütte aus auch.
Es gibt vom Parkplatz Ullådalen aus ein Wegenetz, das auch für Langläufer und Skitourengeher attraktiv ist. Die Aussicht ist an einem klaren Wintertag ein Traum.
Am nächsten Morgen hüpft mein Winterherz noch etwas höher: Über Nacht ist etwas Neuschnee gefallen; der Himmel ist uneingeschränkt blau. Es ist der perfekte Tag für ein Vorhaben, auf das ich mich schon seit Wochen freue. Wir fahren mit dem Bus nach Åre und von dort mit einem Taxi hoch zum Parkplatz Ullådalen. Hier bin ich im Dezember schon einmal gewesen und mit einer Kollegin zur Lillådalstugan spaziert. Damals ebenfalls mit Neuschnee, aber ohne Sonne und mit pustigem Wind. Ich habe die Strecke geliebt und Deborah seit unserer Idee dieses Winterurlaubs in Åre mit dem Wunsch, das nächste Mal auf eine Waffel einzukehren, in den Ohren gelegen. Dafür war im Dezember (Bilder unten) nämlich keine Zeit.
Nach wenigen Metern ziehe ich meine dicke Winterjacke aus. Die Sonne strahlt mit all ihrer Kraft. Heute ist ein perfekter „Vårvinter“-Tag. „Frühlingswinter“ nennt man im Norden diese fünfte Jahreszeit, in der noch sicher Schnee liegt, die Tage spürbar länger werden und die Sonne sich zeigt wie heute. Ganz Åre scheint draußen zu sein. Wir treffen sportliche Langläufer und eine unglaublich freundlich ältere Dame, die sich – natürlich – über unsere Schneeschuhe erkundigt. Mir gibt sie gleich noch Tipps für eine Sommerwanderung hier oben im Fjäll. Ich freue mich über die kleine, freundliche Situation, das Unterwegssein und die Zeit, die Deborah und ich zusammen verbringen.
Unsere Freundschaft reicht bis in die Studienzeit zurück. Es ist eine von denen, die ebenso unaufgeregt wie wundervoll mitwachsen. Seit zehn Jahren verreisen wir auch gemeinsam, mal kürzer und mal länger. Diese Auszeit ist unsere erste mit Eis und Schnee. Offenbar können wir auch das ganz ausgezeichnet zusammen. Erst recht, als wir die Lillåstugan erreicht haben und zwei riesige Waffeln mit Marmelade und üppig Sahne drauf bestellen. Wir sitzen drinnen, am Fenster. Gut gelaunte Menschen in bunten Skiklamotten staksen auf Skistiefeln an uns vorbei. Eine Kerze flackert mit jedem Mal Türöffnen auf. Der eine oder andere genießt Waffel, Kaffee und Sonne sogar schon vor der Hütte.
Deborah und ich genießen nach unserer Pause vor allem eines: die Ruhe, die mit jedem Schritt, den wir uns von der Hütte entfernen, größer wird. So schön der zarte Trubel schwedischer Art oben im Fjäll war, so sehr passt es uns, über einen kaum begangenen Pfad Richtung Tal abzusteigen. Wir sinken tief ein. Durch die Bäume hindurch glitzert Nachmittagslicht. Unten angekommen, haben wir erneut großes Glück: Wir warten nur wenige Minuten, bis uns der Skibus mit nach Åre nimmt.
Tagesausklang mit Sauna
Am Abend heizen wir unsere Sauna an. Die steht unterhalb unserer Hütte. Wir machen Feuer im Ofen und muckeln uns mit Tee und Kaffee auf dem Sofa ein, während die Temperatur in der Sauna steigt. Immer wieder kraxelt eine von uns hinunter und legt Holz nach.
Es ist diese Zeit im Jahr, in der hier oben Kälte und Wärme besonders nah beieinander liegen. Zwischen draußen und drinnen und zwischen Nacht und Tag. Die Nacht ist klar an jenem Abend, an dem es wieder einmal nicht richtig dunkel wird. Von oben strahlen die Sterne, unten glitzert der Schnee. Und wir beide sind ebenso erfüllt wie müde, als wir schließlich das letzte Mal für diesen Tag aufsteigen zur Hütte. Es dauert nicht mehr lang, bis wir beide einschlummern. Nach viel frischer Luft, mit unvergesslichen Eindrücken im Kopf und mit wohliger Saunawärme im Körper.
Mein Fazit: Es ist absolut möglich, einen entspannten Winterurlaub jenseits des klassischen Skibetriebs in Åre zu erleben. Ich bin froh und dankbar, dass ich auf einer Pressereise im Dezember eine Vorahnung in diese Richtung bekam. Die Wanderung zur Lillåstugan und eine kleine geführte Schneeschuhtour (Bilder unten) haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Deborah und ich uns für Åre entschieden haben. Für einen Ort, an dem man eben die Wahl hat, ob man mittendrin oder außerhalb wohnt. An den man prima mit der Bahn kommt und der einem vom kleinen Spaziergang über Fahrten mit den Bergbahnen bis zum Ski- und Schneeschuherlebnis alles bietet. So unaufgeregt, wie ich es von einem Skiort mit 91 Abfahrten und 47 Liften nicht für möglich gehalten hätte.
Und so schmunzen wir bis heute bei dem Gedanken „wir beide zum Urlaub in einem Top-Skiort“ 😄 und denken auch gerne an unsere letzte Schneeschuhtour zurück, die uns noch weiter entfernt von sonstiger Winteraktivität ab Haustüre hinein in den unberührten Winterwald führte. Mit Abschlusspicknick in der Sonne und eisigem Wind im Gesicht.
Infos & Tipps
Winter in Åre:
Nach Åre fährt man typischerweise, um Skisport zu betreiben. Von Dezember bis Mai ist der Ort, der sich einst aus einer Handvoll Bauernhöfe heraus entwickelt hat, fest in der Hand der Abfahrtskiläufer. Die Pisten reichen bis ins Zentrum hinein. Ein Netz an Liften und Abfahrten bietet Abwechslung für jedes Können. Eine Übersichtskarte gibt es hier. Ausrüstung wird bei SkiStar Åre geliehen.
Die Stimmung ist entspannt; die Skisaison wird gewürdigt und gefeiert. Auf schwedische Art.
Auch Langläufer und Tourenskigeher kommen auf ihre Kosten. Und das Erkunden der Region auf Schneeschuhen kann ich Dir nur empfehlen. Du kannst Dir Schneeschuhe direkt in Åre bei den OutdoorBuddies leihen. Hier gibt’s alle erdenkliche Ausrüstung zum Mieten und zum Kaufen. Der Nachhaltigkeitsaspekt steht im Zentrum des Unternehmens.
Wer gerne erst einmal eine geführte Tour unternehmen möchte, ist bei Åre Nature Adventures gut aufgehoben. Ich war bei meinem ersten Aufenthalt mit Guide Liam unterwegs und habe vor allem die Shelter-Pause mit heißem Kaffee frisch vom Feuer sehr genossen. Ja, zwischendurch ist es auch mal schön, sich nicht um alles selbst zu kümmern!
Hier findest Du eine Übersichtskarte über Wanderwege. Zu beachten ist, dass die Situation im Winter eine andere ist. Dennoch gibt die Karte eine, wie ich finde, gute erste Orientierung. Weitere Karten, Routen und Infos zu allen Fortbewegungsmöglichkeiten rund um Åre gibt es auf dieser Seite.
➾ weitere Infos zu Åre
Hinkommen und rumkommen:
Åre erreicht man prima und entspannt mit dem Zug. Wer von Süden her anreist, steigt in Stockholm um. Beliebt ist die Fahrt über Nacht. Hier empfehle ich einen Platz im Schlafabteil oder ein eigenes Schlafabteil. Das lohnt sich vor allem dann, wenn man zu zweit oder zu dritt reist.
Die Betten sind übereinander angeordnet. Größeres Gepäck wie zum Beispiel die Skiausrüstung findet auch in Gepäckfächern auf dem Gang Platz. Toiletten und Waschmöglichkeiten befinden sich in jedem Schlafwagen.
Die Zugfahrt ab Stockholm dauert 7,5 bis 9 Stunden. Von Malmö aus sind es etwa 12 bis 15 Stunden. Es gibt auch einen durchgehenden Nachtzug ab Malmö.
Alternativ zur kompletten Zuganreise kann man wahlweise nach Stockholm oder Östersund fliegen. Das Herumkommen vor Ort ist entlang der Hauptstrecke Östersund – Åre gut per ÖPNV/Bus möglich.
Der Bahnhof in Åre ist perfekt ausgestattet. Es gibt große Fächer für die Aufbewahrung von Gepäck und Sanitärräume inklusive Duschmöglichkeit. Auch der Supermarkt ICA und ein Kiosk befinden sich auf der Ebene der Bahnsteige im Gebäude. Die Busse fahren auf der zur Stadt hin gewandten Seite des Gebäudes ab. Man erreicht diese bequem über eine Rolltreppe oder Aufzüge im Bahnhofsgebäude.
➾ Link zur Zugbuchung in Schweden
➾ Link zum regionalen Verkehrsverbund Länstrafiken (Lade Dir am besten die App auf Dein Handy! So kannst Du schnell nach Verbindungen suchen und auch gleich das Ticket kaufen.
Unterkommen:
Wir haben für unsere Freundinnenauszeit eine gemütliche kleine Holzhütte über Airbnb gebucht. So hatten wir maximale Freiheit und in unserem Rückzugsraum viel Ruhe. Wir sind mit gemütlichem Frühstück in den Tag gestartet und haben abends gekocht. So blieb auch Zeit, um endlich mal wieder ausgiebig zu quatschen, und die Tage fanden ganz in unserem Rhythmus statt.
Unser Tipp: Miete Dir eine Hütte mit Sauna! Diese besondere Wärme tut nach intensiver Draußenzeit unfassbar gut und verstärkt das Erholungsgefühl. Erst recht, wenn man zum Abkühlen nur vor die Tür zu gehen braucht und barfuß im Schnee einsinkt …
Drei Ausflugstipps für Dich:
- Åre Chokladfabrik
Die Manufaktur liegt direkt an der Hauptverkehrsachse von Åre nach Östersund. Alle Pralinen und Schokosünden sind selbstgemacht. Der Betrieb wird seit 1991 gleichberechtigt von Marina Hansson, Eva-Lena Grape und Marie Söderhielm geführt. Ihre Spezialität sind Kreationen mit heimischen Zutaten wie Molte-, Heidel- und Preiselbeeren. Die „Schokoladenbar“-Ecke lädt zu einer leckeren Pause ein, ehe man Mitbringsel für zuhause shoppt.
➾ Adresse: Björnänge 801, 83797 Åre
➾ Bushaltestelle Hårbörsta västra E14 - Åre Ljusfabrik
Die Kerzenmanufaktur ist in einem kleinen ehemaligen Feuerwehrhaus untergebracht. Das Ehepaar Elisabeth och Johan Hallbäck stellt hier seit 2017 qualitativ hochwertige weiße Stearinkerzen her, die mit langer Brenndauer überzeugen. Es gibt sogar Exemplare mit einem kleinen roten Wegkreuz drauf und solche mit schneeartigem Überzug. Sehr hübsch!
➾ Adresse: Byvägen 38, 83795 Undersåker
➾ mit Zug oder Bus bis zum Bahnhof Undersåker - Trangia
Für Draußenmenschen ist ein Besuch im Museum und Fabrikverkauf von Trangia Pflicht. Hier in Trångsviken wird der traditionelle Sturmkocher hergestellt. Die Rabatte im Shop sind lohnend (vor allem in der Zweite-Wahl-Ecke) und das Stöbern durch das kleine Museum offenbart Interessantes und Überraschendes.
➾ Adresse: Alsenvägen 12, 83596 Trångsviken
➾ Bushaltestelle Trångsviken E14








