Eine der kleinen Wanderungen, die in Schleswig-Holsteins Norden zu jeder Jahreszeit einfach superschön sind, ist die Runde um die Halbinsel Holnis an der Flensburger Förde. Immer wieder bin ich gerne hier, schaue aufs Wasser und hinüber nach Dänemark – und wähle die Strecke auch sehr gerne, wenn ich Besuch habe. So wie am Anfang dieses Herbstes, als ich das Glück hatte, mit meinen Eltern hier unterwegs zu sein.

Schon als ich das Auto am Hafen in Schausende parke, denke ich: Ob es Zufall ist, dass ich die kleine Wanderung um Holnis an der Flensburger Förde im zweiten Jahr in Folge im beginnenden Herbst bei sehr ähnlicher Stimmung gehe? Oder ist es eine unterbewusste Entscheidung, weil Licht und Farben genau jetzt eben einfach so besonders sind…?

Steilküste, Flauschekühe, Brombeer- und Hagebuttenhecken, dabei immer wieder der Blick aufs Wasser, hinüber zur dänischen Küste – das ist der Fördesteig um Holnis. So viel landschaftliche Abwechslung ist perfekt für einen kleinen Ausflug mit meinem Besuch. Meine Eltern sind aus ihrer süddeutschen Heimat zwar andere Wege gewohnt, aber: so viel Wasser gibt’s dort nicht. Und die Kontraste könnten heute kaum größer sein: der Wind treibt die Wolken vor sich her; die Fotokulisse ist alle paar Minuten verändert.

Von meinem Standardparkplatz am Segelhafen Schausende führt der Weg durch eine Wohnsiedlung aus dem Ort hinaus und zum Leuchtturm – übrigens der nördlichste Festlandleuchtturm Deutschlands. Wir kommen schon hier kaum voran: Wolkenschauspiele, Vogelkolonien und die vorbeiziehenden Segler haben die ganze Aufmerksamkeit meiner Eltern. Dazu noch ein vorsichtig auf den Himmel gehauchter Regenbogen über Dänemark…
Ich stelle derweil fest, wie spannend es ist, gewohnte Wege mit immer wieder neuer Begleitung zu gehen und das vermeintlich Bekannte nochmal neu und anders wahrzunehmen.

Über eine kleine Brücke, von der aus wir nach links auf die Förde und nach rechts in das sogenannte Kleine Noor schauen, gelangen wir zu dem kleinen Anstieg hoch aufs Holnis Kliff. Es ist Sonntag, die Bänke neben dem Pfad hinauf sind gut bevölkert. Doch schon wenig später, als wir hinter der Weide mit den hübschen Flauschekühen nach links abbiegen, runter ans Wasser, sind wir alleine.

Leuchtende Hagebutten säumen den Weg; das Geäst von mal mächtigen Bäumen und mal zarten Sträuchern übernimmt die Funktion von Bilderrahmen und zeigt uns genau, wo wir wieder einmal stehenbleiben und die Aussicht genießen sollen.

Um uns herum ist es still. Immer wieder das Rascheln eines Vogels im Astwerk über uns. Und dann hören wir auch schon das leise Rauschen der kleinen Ostseewellen, die auf den Strand gleiten. Wir machen einen Abstecher auf die kleine Aussichtsplattform, die am Rande des Vogelschutzgebietes rund um die Salzwiesen an der westlichen Spitze von Holnis steht, ehe es durch den feinen Ostseesand direkt am Strand entlang weitergeht.

Buchen, Kastanien und sogar ein Apfelbaum säumen unseren Weg. Zur Rechten wieder Steilküste – und immer wieder weit bis ans Wasser ragende Büsche und Baumstämme. Was für ein herrlicher Abenteuerspielplatz!

Da das Wasser allerdings doch so hoch steht, dass man beim Weitergehen nasse Füße riskiert, biegen wir am Seemannsgrab (auch so ein kleiner Punkt auf der Entdeckerliste…) rechts ab und folgen dem Weg, bis wir an der Kreuzung nach links auf die Straße “Zur Salzwiese” abbiegen. Die Aussicht über die Förde östlich von Holnis möchte ich meinen Mitwanderern genauso wenig vorenthalten wie Holnis Spitze, den nördlichsten Punkt des deutschen Festlandes.

Wir gehen am Ende der Straße also nochmal nach links und folgen dem Weg zwischen Bäumen hindurch und hinunter ans Wasser. Während meine Eltern fröhlich über den Strand spazieren, gönne ich mir einen kleinen ruhigen Kopffreimoment. Ich lasse mich auf einem großen rund geschliffenen Stein nieder und beobachte das Wolkentheater, das auf der anderen Seite der Förde über die dänische Küste zieht.

Kaum zu glauben: Hinter mir sitzen etliche Menschen am Strand; einer nach dem anderen findet den Weg hinunter zu diesem – zugegebenermaßen recht bekannten und beliebten – Abschnitt. Und doch bin ich gefühlt so ganz für mich. Herrlich!

Nachdem wir den Strand verlassen haben und dem Weg zurück einfach geradeaus gefolgt sind, kommen wir am Restaurant “Fährhaus Holnis” vorbei und kehren ein. Nach dem Essen folgen wir der “Holniser Fährstraße” in südliche Richtung, bis diese in die Promenade mündet. Auf ihr gehen wir, zunächst parallel zum Wasser, immer weiter, bis wir auf die Kreuzung stoßen, über die es, geradeaus, zurück nach Schausende geht.

Recht zügig absolvieren wir das letzte Stück entlang der Straße “Kobbellück”, die uns – ziemlich pünktlich zum Sonnenuntergang – direkt zum Hafen und damit zu unserem Parkplatz führt.

Fazit: Holnis ist ein recht beliebtes Ausflugsziel. Meiner Erfahrung nach findet man jedoch, wenn man die beschriebene Runde geht, immer wieder Abschnitte, auf denen man für sich ist. Obwohl es eine mit rund elf Kilometern kleine Wanderung ist, kann man sich auf der Strecke lange aufhalten. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken und zu beobachten. Für mich eine echte Entspannungsrunde – zu jeder Jahreszeit!

Info & Tipps:
Es gibt unterwegs sowohl die Möglichkeit, einzukehren (zum Beispiel im “Fährhaus Holnis”, im Ort selbst oder am Hafen in Schausende). Oder man packt sich ein Picknick ein und rastet an einer der unterwegs immer mal wieder am Wegesrand stehenden Bänke.

Nutzt die An- oder Rückfahrt für eine kleine Tour durch die Region Angeln! Die Landschaft zwischen Flensburger Förde und Schlei ist eiszeitlich geprägt und – für norddeutsche Verhältnisse – recht hügelig. Haltet unterwegs Ausschau nach kleinen Hofläden! Davon gibt es hier etliche und Ihr könnt von Eurem Ausflug gleich noch Frisches aus der Region mit nach Hause bringen. So, wie ich es liebe, auf meinen Herbsttouren auf Kürbisjagd zu gehen…

Wer weiter wandern möchte, schaut sich am besten den Fördesteig an. Dieser verläuft auf rund 95 Kilometern von der dänischen Grenze in Krusau/Kruså bis nach Kappeln an der Schlei.

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.