Wer mich kennt, weiß: Flusspaddeln ist nicht so mein Ding. Nach einem Tag auf dem nordfriesischen Marschfluss Arlau allerdings muss ich zugeben, dass der Entspannungsfaktor auf Kleinflüssen echt hoch sein kann. Anders als Küstenkanuwandern, aber schön!

Seit ich in Nordfriesland lebe, habe ich mir vorgenommen, die kleineren Flüsse vor meiner Haustür zu erkunden. Wieviele ich davon “schaffe”, weiß ich noch nicht. Denn ein bisschen ist es ja schon so: kennste einen, kennste alle. Dennoch: es sind Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Im Falle der Arlau heißt das zum Beispiel, dass das Gewässer abschnittsweise zwar von dichtem Schilf begrenzt wird, man aber über weite Strecken tatsächlich übers Ufer schauen kann.

Das macht, jedenfalls für mich, viel aus. Mental. Weil man eben nicht kilometerweit durch eine Art Kanal fährt. Man blickt über Weideland, auf Kühe und Schafe (natürlich!) und gleitet ruhig dahin, in einer Landschaft, die an einem Sommertag von nur zwei Farben dominiert wird: Blau und Grün.

Nachdem ich kürzlich auf einer kleinen Wanderung im Beltringharder Koog eine ausgeschilderte Kanu-Einsatzstelle entdeckt habe, wähle ich diese als Startort. An der Schafdeichsbrücke (zwischen Hattstedter Neuerkoog und Desmerciereskoog) geht es los. Hier trägt man das Kajak über eine kleine Brücke und kann dann direkt vom Ufer aus recht gut einsteigen.

Meine Tour führt mich zunächst bis zur Arlau-Schleuse. Auch hier soll man einsetzen können. Meine Beurteilung: wer mit einer Gruppe unterwegs ist, kann hier prima die Autos abstellen. Das Einsetzen kann, wie übrigens auch an anderen ausgewiesenen Einstiegstellen aus, am mit Steinen befestigten Ufer erfolgen, was für PE- und GFK-Boote irgendwie gehen mag. Für einen Carbonrumpf ist das nichts; aber man kommt – das würde ich empfehlen – auch über die Richtung Deich gelegene Wiese rein. (Stand: Juni 2019, Bild unten rechts)

Auf dem Weg flussaufwärts sorgt ein sanfter Ostwind für angenehme Abkühlung der Sommerhitze. Ich komme an der Abzweigung in die Ostenau vorbei.

So hübsch der Blick zur Brücke und über das platte Land ist: der Bach ist stark verkrautet und ich folge weiter der Arlau. Etwa bei Kilometer zehn (Referenz: Jübermann-Tourenatlas Nr. 1) wird diese sehr flach. Ich schiebe mich unter Anstrengung noch ein Stück weiter, drehe aber schließlich um.

21 Kilometer sind es am Ende. Entspannte Kilometer in unfassbarer Ruhe. Die Arlau habe ich an diesem Tag ganz für mich. An meinem Pausenplatz, etwa 1,5 Kilometer von der recht stark befahrenen B5 entfernt, höre ich ebenfalls nichts – außer dem einen oder anderen Traktor, der über die umliegenden Felder tuckert. Was für eine Idylle! Perfekt für einen Alleinetag auf dem Wasser. Perfekt, um Bewegung, Entspannung und Genießen zu kombinieren.

Info:
Die Arlau ist ein Fluss im nordfriesischen Marschland. Sie ist auf einer Länge von rund 29 Kilometern ganzjährig paddelbar, wobei sie flussaufwärts immer schmaler wird. Mit Verkrautung und niedrigwasserbedingten Einschränkungen ist zu rechnen.

Es gibt, wie z.B. an der Einsatzstelle Schafdeichsbrücke, Infotafeln an Land, die Startpunkte für Kanuten explizit ausweisen. Auch das Rasten an den “Arlaudeichen und Wiesenabschnitten” ist erlaubt. Paddler sind hier also offiziell willkommen!

Landgang-Tipp:
Direkt an der Arlau-Schleuse zeigt ein Wegweiser zum Naturlehrpfad Beltringharder Koog. Das größte zusammenhängende Festland-Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins ist eine logische Ergänzung zu einer Paddeltour auf der Arlau: Diese nämlich sorgt über das Arlau-Speicherbecken und den Weiterfluss in die Nordsee für die Entwässerung von rund 32.000 Hektar Hinterland. Das Naturschutzgebiet ist eine Ausgleichsfläche für Küstenschutzmaßnahmen. Es existiert seit 1991.
Der gemütlich zu gehende Naturlehrpfad führt über den Deich, zu Vogelbeobachtungs-Hütten und zu einer seltenen Besonderheit, der sogenannten Salzwasserlagune.
Mein Tipp: Packt Turn- oder Wanderschuhe ein und nehmt Euch die Zeit für einen kleinen Abstecher an Land!

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