Suche
Suche

Zeltnacht und Frühlingssonne: Solozeit auf dem Stensjön

Zwei Tage entspannte Draußenzeit nur für mich. Mit viel Sonne und erstem schüchternen Frühlingsbunt. Mit einem Elch am Ufer und spätem Insel-Morgenkaffee vor dem Zelt. Mit einer kleinen Kajaktour ab dem südschwedischen Agundaborg flussaufwärts über den Helge Å zum Stensjön habe ich mir nicht nur den Wunsch nach mal wieder echtem #kopffrei erfüllt, sondern einen, den ich seit ziemlich genau vier Jahren hegte.

Kajaktour Stensjön_Småland_©Andrea C. Bayer

„Hierher möchte ich mal für ein, zwei Nächte kommen. Mit Boot und Zelt und noch mehr Draußenzeit.” Das schrieb ich vor vier Jahren, als ich eher zufällig das erste Mal Agundaborg besuchte und an einem Nachmittag zum Stensjön paddelte. Der kleine Kosmos aus Wasser, Felsen, Wald und Inseln hat mich schon damals verzaubert. Die Insel Stora Ekö, an deren Feuerstelle wir damals Pause machten, ist nun von umgestürzten Bäumen nahezu versperrt. Alles andere ist genau so, wie ich es vor Augen hatte: ein See, der mit all seinen Buchten und Inseln still vor mir liegt, nachdem ich meine fünf Kilometer flussaufwärts auf dem Helge Å geschafft habe.

Stensjön_Südschweden_Ende April_©Andrea C. Bayer

Ein See voller Inseln und Buchten

So entspannt ich noch wenige Tage zuvor mit zwei Paddelfreundinnen flussabwärts auf dem Helge Å unterwegs war, so sehr merke ich heute: Gegen die Strömung ist das nennenswerte Arbeit. Immer wieder paddle ich kraftvoll und genieße zugleich. Dicke Natur-Bouquets an Sumpfdotterblumen ragen über die Flusskante; unter Bäumen blühen weiß-rosafarbene Buschwindröschen. Mein Blick ist über Wiesen und auf die Felsbrocken, die kurz vor der Einfahrt in den See meinen Wasserweg säumen, gerichtet. Ein Fuchs spaziert am Ufer entlang. 

Helge Å im Frühling_Kajaktour ab Agundaborg_©Andrea C. Bayer

Am südöstlichen Ufer des Stensjön mache ich Mittag. Die Sonne strahlt mir ins Gesicht. Es sind die ersten Tage, die sich in diesem Jahr hier in Schweden so richtig nach Frühling anfühlen – auch wenn ich Ende April im Trockenanzug paddle, weil das Wasser noch kalt ist.

Nun sitze ich also einfach da. Glücklich, das satte Himmelsblau und die Wärme aufsaugend. Wieder einmal tut diese Mischung aus Draußensein, Bewegung und äußerer Ruhe, die zu innerer wird, gut. Ich habe keine Streckenpläne und keine Eile. Diese zwei Tage gehören mir und ich werde sie so füllen, wie sie sich im Moment richtig anfühlen.

Das heißt zunächst: am linken Seeufer gen Norden paddeln. Vorbei an Sommerhäusern auf der Halbinsel Kalmarudden, zwischen Inseln hindurch und immer wieder mit dem Blick auf die Ufer gerichtet, an denen das neue Grün zaghaft das Vorjahresgrau überwächst. Im Norden des Sees angekommen, suche ich die Durchfahrt zum Ryssbysjön. Die versteckt sich gut. Unter einer kleinen Brücke geht es hindurch. Ich entscheide mich gegen die Umrundung. Der Ryssbysjön ist im Unterschied zum Stensjön insellos. Ich merke: Mir ist nach genau dieser Landschaft mit Inseln und Entdeckerbuchten. So drehe ich um und erkunde in aller Ausgiebigkeit weiter „meinen“ Stensjön. Ich paddle zwischen einzelnen Felsbrocken hindurch und in flache Buchten hinein. 

Kajaktour Stensjön_Småland_©Andrea C. Bayer

Das Ostufer des Stensjön ist etwas zerklüftet und ein Paradies für solche Erkundungen. Immer wieder werfe ich einen prüfenden Blick auf die Karte, die mir Roos und Simon von AGUNDABORG Camp & Paddle, die über die Jahre zu Freunden geworden sind, mitgegeben haben. Ich sortiere Inseln in meinem Kopf und fange an, mir einen Platz für die Nacht zu suchen. Das ist gar nicht so einfach, da die Inseln von mitunter recht stabilen Gebüschgürteln vor dem Eindringen beschützt werden. Auf der Westseite von Långön finde ich ein Plätzchen. Ich kann das Boot gut rausziehen und das Zelt neben einer Feuerstelle aufschlagen. Bis nach dem Abendessen scheint die Sonne auf mein Lager und wärmt das Zelt angenehm vor für die Nacht.

Kajaktour Stensjön ab Agundaborg_Småland_zelten_©Andrea C. Bayer

Rückfahrt mit Elch

Als ich am nächsten Morgen das Zelt öffne, habe ich zehn Stunden Schlaf hinter mir. Offenbar war das nötig und ich habe einmal mehr den Beweis dafür, wie gut ich da draußen schlafe. Entsprechend langsam beginnt dieser Tag. Erst am späten Vormittag bin ich wieder auf dem Wasser. Noch einmal denke ich kurz über den Ryssbysjön nach. Nein, den lasse ich mir für ein nächstes Mal! Ich lenke meine Aufmerksamkeit weiter auf den Stensjön, an dessen Südende mich noch eine völlig andere Naturkulisse erwartet. Eine weite, flache Bucht auf der Höhe von Stensjöholm wird von heideartiger Hügellandschaft mit Wacholderbüschen drauf eingerahmt. Hier verabschiede ich mich vom Stensjön – für dieses Mal.

Gedankenverloren paddle ich den Helge Å südwärts. So lange, bis direkt neben mir am Ufer ein Elch aufschreckt und Richtung Dickicht trabt. Meinetwegen hätte er sich gerne weiter sonnen können; ich hätte ihn womöglich gar nicht bemerkt. Noch einmal Mittagessen am Flussufer, noch einmal genießen, dass ich mir diesen Stensjön-Wunsch endlich erfüllt habe. Dann geht es, über einen Schlenker entlang des Ostufers des Agunnarydsjön, zurück zum Strand von Agundaborg.

Was für eine schöne Miniauszeit, die einmal mehr zeigt, wie wertvoll solche kleine Fluchten sind, für welche es so häufig nicht viel braucht und die genau dadurch so groß werden, dass sie nicht mit hehren Plänen und Zielen versehen sind. Dafür mit Zeit fürs spontane Erleben und Innehalten, mit Entscheidungen aus dem Augenblick heraus und dem Nachspüren, was einem selbst wirklich gut tut.

Agunarydsjön_Schweden_©Andrea C. Bayer

Infos & Tipps

Stensjön & Helge Å:

Der See Stensjön liegt in der südschwedischen Provinz Kronoberg, eine halbe Autostunde nördlich von Älmhult und zwei Stunden nordöstlich von Malmö. Er ist 5,41 Quadratkilometer groß und durch eine Vielzahl an Inseln und Buchten gekennzeichnet, die ihn zusammen mit seinen 18,8 Kilometer Uferlinie zu einem schönen Entdeckerrevier machen.

Durch den Stensjön hindurch fließt der Fluss Helge Å. Der ist rund 200 Kilometer lang und mündet bei Yngsjö in die Ostsee. Zwischen Ryssby im Norden und Älmhult im Süden sind 90 verzweigte Kilometer als Wasserwanderweg „Helge Å Kanotled“ ausgewiesen. Hier ist entspanntes Paddeln in Kajaks und Kanus möglich und es gibt Übernachtungsplätze mit Infrastrukturen wie Trockentoiletten, Feuerstellen und Mülleimern.
Wichtig: Für diese Plätze erwirbt man in den Touristinformationen der Region oder bei Kanuverleihern wie AGUNDABORG Camp & Paddle sogenannte Kanu-Schecks (auf Schwedisch: kanotcheckar). Mit denen bezahlt man auf den Plätzen, indem man sie in dafür vorgesehene Kästen wirft.

Der Helge Å, der ursprünglich als Transportweg, vor allem für Holz, genutzt wurde, ist bis zu seiner Mündung paddelbar. Einen (Rück-)Transport kann man über die Kanuverleiher der Region organisieren.

Kajaktour ab Agundaborg_©Andrea C. Bayer

Meine Etappen:

  1. Agundaborg, Strand am Agunnarydsjön > Helge Å, nordwärts > Stensjön, Westufer > Ryssbysjön, Einfahrt > Stensjön, Ostufer > Lilla Ekö > Långön, Ost/West: 21,5 km

  2. Långön, West > Kalmarudden > Bucht von Stensjöholm > Lövö > Helge Å, südwärts > Agunnarydsjön, Ostufer > Agundaborg, Strand: 11 km

Mein Tipp:
Paddle den Helge Å und den Stensjön mit einem PE-Boot! Es geht mit einem GFK-Kajak, ist aber aufgrund der vielen Steine und auch bei niedrigem Wasserstand mit einem PE-Boot deutlich entspannter.

Kajaktour Stensjön_ab Agundaborg_Schweden_©Andrea C. Bayer

AGUNDABORG Camp & Paddle:

Ein prima Ausgangspunkt für die beschriebene Tour und weitere ist der Wohlfühlort AGUNDABORG Camp & Paddle. Der liegt am Rande des kleinen Ortes Agunnaryd auf einer eigenen Halbinsel. Ob in einem größeren Ferienhaus, einem gemütlichen Mini-Wohnwagen oder im eigenen Zelt: Bei Roos Hogervorst und ihrer Familie fühlt man sich als Draußenmensch einfach willkommen. (Wenn man Glück hat, schauen sogar Elche direkt am Grundstück vorbei.)

Man kann geschottete PE-Kajaks, Kanus und Zubehör sowie recht neu auch Fahrräder für Gravel-Abenteuer auf dem riesigen Wegenetz durch die umliegenden Wälder mieten. Im Dorf Agunnaryd, in welchem IKEA-Gründer Ingvar Kamprad aufwuchs, gibt es einen kleinen Supermarkt und eine Tankstelle.

Extra-Tipp:
Für eine entspannte Runde Wellness nach dem Paddeln gibt’s seit letztem Winter sogar eine schwimmende Sauna. 

Mein Tipp für Dich:
Bleib gerne etwas länger und erkunde die so ruhige Region um Agunnaryd! Eine Radtour ab Haustür, eine kleine Wanderung rund um Linnés Råshult, den Geburtsort von Carl von Linné, samt Einkehr im Café (mit Gartenbereich, vegetarischem Mittagsbüffet und toller Küche mit großem Fokus auf lokale und regionale Zutaten in Bioqualität), ein Ausflug ins IKEA-Museum nach Älmhult – mit kurzen Wegen gibt es hier viel zu entdecken.

TACK till er, kära Roos, Simon, Oliver, Jasper och Daan,
för återigen trevliga dagar hos er
.

TACK till dig, Ian, för att ta mig med på cykeltur.
Jag ser redan fram emot nästa gång.

Alle Links und Informationen: Stand Juni 2026

Das könnte Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kopffreitage - Der Outdoor- und Reiseblog mit Herz.

Herzlich Willkommen!

Wie schön, dass Du die Kopffreitage besuchst! Ich bin Andrea und ich nehme Dich hier mit auf meine kleinen und größeren Wander- und Paddelabenteuer sowie seit 2024 auch auf meine Reisen. Du findest hier Inspirationen für Draußentouren und Reiseziele sowie Tipps und Infos aus erster Hand. Viel Freude beim Stöbern!

Sehen wir uns auf Instagram?

Lust auf Mehr?

Dir gefallen meine Texte und meine Bildsprache? Du möchtest selbst gerne neue Imagetexte für Deine Destination oder Dein Unternehmen haben oder suchst jemanden, der mit Neugier und wachem Blick journalistische Sonderprojekte für Deine Region umsetzt? Dann lass uns gerne ins Gespräch kommen und …