Marschfluss. Eingedeicht. Kanalisiert. Die Stichworte zur Lecker Au in Nordfriesland klingen nüchtern. Oder eben positiv-schlicht und angenehm klar. Und genau das war’s, was ich an jenem Frühlingssamstag im April wollte: Unaufgeregtheit, Klarheit und ein paddelbares Gewässer für eine Tagestour ohne weite Anreise.

Paddeln, wo wenig ablenkt

Unaufgeregt und klar kommt die Lecker Au zweifelslos daher. Da lenkt links und rechts wenig ab, die Farben Grün und Blau dominieren zwischen Wasser, Deich und Himmel. Ich genieße die schon gut wärmende Frühlingssonne. Ganz besonders, weil’s die erste Tour nach dem Winter ist, zu der ich ohne Trockenanzug starte. Auch das ist an diesem Tag ein Argument für den Fluss, denn auf dem Meer gibt’s um diese Zeit keine Alternative zur vollen Wintermontur.

Die Wetter-App prognostiziert einen eher schwachen Ostwind. Ich entscheide, die erste Hälfte der Tour gegen den Wind und gegen die Strömung zu paddeln, und setze in Munksbrück ein. Hier kann ich parken und komme alleine gut ins Wasser. Über den Bongsieler Kanal paddle ich in die Lecker Au. Kurz vorher zweigt nach rechts die Soholmer Au ab. Angler richten am Ufer ihr Tagesplätzchen ein.

Wenige Paddelschläge später halte ich das erste Mal an: Es ist so wunderbar still um mich herum. Durchatmen. Augen zu. Einfach für einen Moment genießen. Genau diese Ruhe und eben das Unaufgeregte sind gar nicht so schlecht für mein Vorhaben der Kategorie “heute so richtig gemütlich”.

Vom Marschfluss in die Stadt

Ich arbeite mich vor bis nach Leck. Die Stadt rückt ins Blickfeld, das Flüsslein wird schmaler und teilweise recht flach. Ich komme gerade so durch, möchte auch nicht aufgeben, bevor ich die Einsatzstelle im Lecker Augarten passiert habe. Auch hier könnte man parken und zu einer Tour starten oder für eine Pause anlanden. Ich paddle noch ein kleines Stück weiter und beschließe dann, mir auf dem Rückweg einen Mittagsplatz zu suchen. Jenseits von Park und Stadt und an einem Uferabschnitt, an dem man gut aus dem Wasser kommt.

Als ich fündig werde, dauert es nicht lange und ich höre näherkommendes Getrappel: Pausenplätze an Marschflüssen sind zumeist identisch mit Schafweiden. Neugier bei den Lämmern, kurzes Zögern bei den größeren Exemplaren. Dann tobt die Meute auf dem Deich davon. Mit anständigem Abstand, wie ich ihn mir von Menschen auch so manches Mal wünschen würde …

Der Wind hat inzwischen gedreht. Ich paddle also mit der Strömung und gegen den Wind zurück. Der weht für hiesige Verhältnisse nicht doll. Mein Entspannungsprogramm bleibt mir somit erhalten. Und der Kopf ist zumindest ein bisschen freier, als ich am Spätnachmittag mein Boot wieder aufs Autodach lade.

Info:
Die Lecker Au ist ein Marschfluss, auf dem man ab Leck oder ab meiner Einsatzstelle in Munksbrück eine nette Tagestour paddeln kann. An die 30 Kilometer bekommt man mühelos zusammen. Und besonders hübsch bis drollig ist’s im Frühjahr, wenn die Lämmer über die Deiche toben.

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