Es gibt Tage, an denen will man eigentlich gar nicht vor die Tür. Weil sie trüb sind, kalt und grau. Gleichwohl ertappe ich mich immer wieder dabei, dass es Draußenrunden in genau diesem Wetter sind, die mir ganz besonders gut tun. Weil ich mich überwunden habe. Weil die Stimmung mystisch-schön ist. Und weil ich Konturen, Formen und Farben in der Natur ganz anders wahrnehme als an Sonnenscheintagen.

Wo die Wolken die Baumkronen küssen

An genau so einem Tag zieht es uns ins Naherholungsgebiet Fulltofta mitten im südlichen Schweden. Ich erinnere hier eine schöne Runde bei warmem Herbstwetter. Mit Sonne, Gehen im T-Shirt und abwechslungsreichem Untergrund. Das mag ich ja sehr. Und auch, dass es eines dieser zahlreichen Naherholungsgebiete in Skåne ist, in denen man sich aus dem Geflecht an gut markierten Rundwanderwegen wunderbar eigene Touren zusammenbauen kann.
Ich habe für diesen Sonntag, an dem die Wolken so tief hängen, dass sie die Baumkronen küssen, eine zwölf Kilometer-Strecke ausgeguckt, die nur ein kleines Stück von dem Gebiet streift, das ich schon kenne. Der Rest ist Neuland.

Wir parken am Eingang “Dansbanan” und kombinieren die rot ausgeschilderte Runde mit der violetten. Ungemütlich ist’s nur im allerersten Moment jenseits des warmen Autos. Kaum sind wir losgegangen, hat die Freude übers Draußensein die Oberhand gewonnen. Nicht immer kann ich unterscheiden, ob es wirklich nieselt oder die feinen Perlen auf Mütze, Haut und Jacke von dem nebelartigen Gewaber um uns herum kommen. Ist ja auch egal! Wichtiger ist, dass wir uns auf den Weg konzentrieren. Der ist mal nur tief-matschig und mal gänzlich vom Bach überschwemmt. Dazwischen Holzbohlen, Schotterwege und weicher Waldboden. Anders als im Herbst, aber mindestens genauso schön!

Ein Horizont aus Eis und Grau

Man merkt die erste Schnee- und Eisschmelze an den Wasserständen, während ich erstaunt bin, wie lange sich das Eis auf den kleinen Tümpeln und Seen jetzt schon hält. Die Temperatur liegt längst wieder über dem Gefrierpunkt, dazu Regen. Die Grautöne hier auf den Wasser- beziehungsweise Eisflächen sind wieder anders als im Wald. Der Horizont ist selbst in kleinen Entfernungen vor uns nicht mehr auszumachen. Das eine Grau geht ins andere über. Dazwischen Holzpfähle, die aus Eis und Wasser ragen und selbst wie unzuverlässige Wegweiser im Dunst verschwinden.

Ich stehe einfach nur da und schaue. Auf diese reduzierte Szenerie, in der es doch so viel zu entdecken gibt. Das Nass von oben nimmt zu; jetzt ist es ohne jeden Zweifel Regen. Wir gehen weiter, etwas schneller. Vorbei an Baumflechten und satt grünen Mooshügeln im Bachlauf. Sie strahlen in dieser Kulisse als wären sie die unangefochtenen Bühnenstars. Dabei wäre ihr Leuchten nichts ohne diese bizarre Kulisse drumherum …

Am “Fulltofta Naturcentrum” bei Hörby sind die Grill- und Picknickplätze gut belebt. Ich finde es mal wieder genauso toll wie für uns auch etwas schade, dass hier so viel los ist: Toll, weil die Menschen auch bei solch weniger einladendem Wetter draußen unterwegs sind. Schade, weil ich fürchte, es könnte für uns schwierig werden, ein ruhiges Pausenplätzchen zu finden.

Shelterpause nach Umwegen

Die Natur aber ist auf unserer Seite: Der “Weg” zum nahe gelegenen Shelterplatz steht unter Wasser. Nicht so, dass man einfach drüberhüpfen kann. Nein, man muss schon einen kleinen Umweg gehen, um dann in diesem Wasser-Matsch-Labyrinth seine Spur zu finden. Uns gelingt’s – und den Picknickplatz haben wir für uns! Wie immer also: Tee eingeschenkt, Kekse dazu und dabei dem steten Regengetropfe aufs Shelterdach gelauscht. Kopffrei!

Die Kapuze eng zugeschnürt gehen wir weiter, biegen einmal falsch ab – die Kopfbedeckung schränkt das Sichtfeld ein! Der Schlenker wäre nicht schlimm gewesen, hätte aber bedeutet, dass wir ein Stück zweimal gehen und nicht die geplante Acht, welche die Strecke aus rot und violett markiertem Weg ermöglicht. Also drehen wir um, tapern ein Stück zurück, um dann unserem Ursprungsplan zu folgen. Lustig: Kaum sind wir wieder auf dem rechten Weg, drehen zwei ebenfalls dick eingemummelte Spaziergänger vor uns um. Ob es ihnen wohl ähnlich ergangen ist wie uns …?

Wir jedenfalls freuen uns über das Verbindungsstück, das uns schließlich wieder zu unserem Auto führt. Nochmal geht’s über Waldboden, nochmal am Kontrast zwischen Tannenbaumgrün und winterlichem Buchenlaubbraun vorbei. Wie auf Kommando fängt es genau in dem Moment richtig zu schütten an, als wir zum Parkplatz abbiegen. Was für ein Timing, was für ein Glücksgefühl!

Ein paar Infos & Tipps:

Das Naherholungsgebiet Fulltofta (“Fulltofta Strövområde”) liegt mitten im südschwedischen Skåne. Es gibt 14 ausgeschilderte Rundwanderwege von einem bis 17 Kilometer Länge, darunter auch barrierefreie Abschnitte, die z.B. mit Kinderwagen und Rollstuhl nutzbar sind. Aus dem Netz an Wegen kann man sich gut weitere eigene Strecken zusammenbauen.

Die Haupteingänge sind am “Fulltofta Naturcentrum” und am nördlichen Ende. Das “Naturcentrum” ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Hier gibt es ein Café und eine Ausstellung.

Wir sind zu unserer Runde am Parkplatz “Dansbanan” gestartet und haben die violette “Vasahusslingan” mit der roten “Bäckaslingan” verbunden. Diese Tour ist, inklusive der kurzen Zuwegung vom Parkplatz über ein Stück “Dansbanerundan”, etwa zwölf Kilometer lang. Der Shelterplatz nahe des “Fulltofta Naturcentrum” liegt ziemlich genau auf halber Strecke.

Wichtig: “Fulltofta Strövområde” ist zum Teil als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Hier darf z.B. nicht gezeltet werden. Bitte entsprechend berücksichtigen bei der Tourenplanung!

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