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Steile Klippen und Bärlauchduft: Mini-Wanderung um Kullaberg

Kullaberg an einem Frühlingsmontag: Angenehme Ruhe, klare Farben, wärmende Sonne. Ich gehe eine kleine Runde und nehme mir den ganzen Vormittag dafür Zeit. Gerade einmal knappe acht Kilometer und 311 Höhenmeter habe ich am Ende auf der Uhr – und den Kopf voll wohltuender Eindrücke zwischen frischem Grün, schroffen Felsen und beruhigendem Weitblick übers Meer. In Südschweden, eineinhalb Auto- und rund zwei ÖPNV-Stunden nördlich von Malmö.

Frühlings-Wanderung Kullaberg_©Andrea C. Bayer

Durch Blätterdächer zum Strand

Die aus dem Kattegat aufragenden Felsen von Kullaberg sind eines der beliebtesten Naturziele in Südschweden. An jenem Morgen ist der Hauptparkplatz noch so gut wie leer. Ich habe meinen kleinen Rucksack früh gepackt. Die Nacht habe ich draußen im Zelt verbracht, den ersten Kaffee in völliger Stille getrunken. Nun gehöre ich zu den ersten, die an diesem Tag Kullaberg umwandern.

Ich gehe auf direktem Weg an die Nordküste. Mich umgeben Morgenkühle und Frühlingsgrün. Erste Maiglöckchen spitzen durchs braune Vorjahreslaub, während dichte Bärlauchfelder dieses an anderen Stellen bereits gut verdecken. Ich mag den noch sehr frischen Geruch des Wildkrautes, das hier im Naturreservat ungestört wachsen darf. (Bitte unbedingt beachten: Im Naturschutzgebiet wird auch in Schweden nichts gepflückt und nichts ausgegraben!) Ich gehe unter Blätterdächern hinab zum Strand. Der ist übersät mit glatt geschliffenen, rundlichen Steinen. Das Wasser leuchtet in Nuancen von intensivem Türkis bis dunklem Blau. Mein Blick gleitet in nordwestliche Richtung: Dort drüben liegt Hallands Väderö. Bis gestern war ich dort, habe ein entspanntes Paddelwochenende genossen.

Ich schaue die Festlandküste entlang. Vor zwei Jahren habe ich hier einen Fuß vor den anderen gesetzt und die Halbinsel Bjäre auf einer Mehrtageswanderung umrundet. Nun ist Kullen dran. Zumindest ein Stück weit.

Kullaberg-Wanderung_Bärlauch_©Andrea C. Bayer

Von der Nordküste zur Südküste

Kullaberg ist der westliche Teil der Halbinsel Kullen. Der markante Felsrücken besteht aus Urgestein; in den sichtbaren Felsen dominieren Gneisarten. Die gesamte Halbinsel Kullen steht unter Naturschutz. Trotz ihrer kargen Untergründe ist sie ein artenreicher Lebensraum und ein Paradies für Entdecker. 

Man kann Kullen auf den gut ausgeschilderten Pfaden des Skåneleden komplett umwandern. Mir genügt heute die kurze Version. Lange trödle ich zwischen den Felsen der Nordküste und am Strandabschnitt Ablahamn herum, ehe ich wieder aufsteige und bei Josefinelust den Verbindungsweg zur Südküste nehme. Direkt am gleichnamigen Parkplatzes passiere ich einen Shelter. Hier dürfte man übernachten; das Zelten ist im Naturreservat verboten.

Am donnerstags bis sonntags geöffneten Restaurant „Ransvik“ komme ich an der Südküste an. Die Sonne bricht durch; es wird warm. Ein paar Schritte bergan, dann setze ich mich auf einen Felsen. Ich höre das Abschlagen von Bällen auf dem hinter mir liegenden Golfplatz. Über die vor mir liegende kleine Bucht schaue ich auf Mölle. Ich folge der Küstenlinie und erkenne die Stelle, von der aus ich vor drei Jahren zu einer Tages-Paddeltour um Kullaberg gestartet bin. Für mich schließen sich heute wieder ein paar Kreise, während ich mich freue, über Umwege und Zufälle den Zugang zu Südschweden gefunden zu haben.

kleine Wanderung um Kullaberg_Schweden_Ausblick_©Andrea C. Bayer

Sandige Wege, weite Blicke und ein Leuchtturm

Lange Zeit habe ich Südschweden ausgespart in meinen Erkundungen. So lange, bis ich anfing, meine Alltagstouren hier zu gehen und zu paddeln. Seither weiß ich: Das südliche Schweden hat ganz schön viel zu bieten. Weite Waldflächen, Anstiege, Küsten mit Steinen, Felsen und Sand. Prima markierte Wege und Seen von Größen, die locker entspannte Mehrtagestouren mit dem Kajak erlauben. Nichts ist weit weg, ob man nun in Südschweden lebt oder zum Beispiel aus Dänemark oder Norddeutschland anreist.

In jenem Moment oberhalb von Mölle komme ich noch ein bisschen mehr an. Der Kopf ist frei – auch für neue Ideen für kurze Auszeiten. Eines nämlich ist sicher: Die Kombi aus ein bis zwei Draußennächten und Bewegungszeit in der Natur funktioniert für mich ungebrochen und hier in Schweden wunderbar mühelos.

Gemächlich schlendere ich weiter, beobachte ein einzelnes Segelboot, das nordwärts zieht. Ich gehe über sandige Wege und entdecke die erste wilde Orchidee des Jahres.

Kullaberg-Wanderung_Blick über den Kattegat_©Andrea C. Bayer

Als ich wieder am Parkplatz ankomme, hat der sich gefüllt. An der Grillstelle lodert ein Feuer. Eine Familie studiert die Übersichtskarte. Das Naturvermittlungszentrum Naturum Kullaberg unweit des Leuchtturm hat nun geöffnet. Und der Leuchtturm? Der ist sowieso ein Magnet, tagein, tagaus. Er wurde im Jahr 1900 erreichtet, thront in einer Höhe von 87,5 Metern auf den Klippen, ist 15 Meter hoch und gilt als der lichtstärkste in ganz Skandinavien. Ob ich auch nochmal hinüber spaziere und ein letztes Mal für dieses Mal übers Wasser schaue …?

kleine Wanderung um Kullaberg_Schweden_Leuchtturm_©Andrea C. Bayer

Infos & Tipps

Kullen und Kullaberg in aller Kürze:
Klippen, zerklüftete Felsen, über 20 Grotten: Das Naturreservat Kullaberg ist ein Juwel und Besuchermagnet im nördlichen Teil der Region Skåne. Als Naturschutzgebiet wurde der östliche Teil 1965, der westliche 1971 ausgewiesen. Die höchste Erhebung ist der Håkull mit 187 Meter über dem Meeresspiegel.

Anreise:
Kullaberg ist von Malmö aus in 1,5 Stunden mit dem Auto zu erreichen. Es gibt mehrere Parkplätze; die hier vorgestellte Tour startet am westlichsten Parkplatz Kullaberg. 
Von beispielsweise Malmö, Lund oder Helsingborg aus kommt man mit Zug und Bus gut nach Mölle, von wo aus man dann prima zum Leuchtturm wandern kann. Die Strecke beträgt etwa zwölf Kilometer.

Wanderwege für jeden Anspruch:
Während die Klippen steil abfallen, spaziert man auf den Anhöhen der Halbinsel Kullen über weiche Pfade, weite Wiesen, Heideflächen und luftige Buchenwälder. Es gibt gut ausgeschilderte Wege entlang der Süd- und der Nordküste sowie Verbindungswege zwischen beiden. So kann man sich nach eigenem Belieben Runden vom kleinen Spaziergang bis zur anspruchsvollen Wanderung mit mehreren Ab- und Aufstiegen zusammenstellen und auch spontan entscheiden, wie weit man gehen möchte.

Mehrtageswandern auf dem Kullaleden:
Wer die gesamte Halbinsel umwandern möchte, folgt dem Kullaleden. Der ist 70 Kilometer lang und identisch mit dem Nordteil des Skåndeleden SL5, der entlang der Öresundküste verläuft. Der Abschnitt Kullaleden wurde von der European Ramblers Association (ERA) als „Leading Quality Trail“ zertifiziert. 

Naturinfozentrum:
Um sich mit der vielfältigen Natur der Halbinsel Kullen und Kullaberg vertraut zu machen, lohnt ein Abstecher ins Naturvermittlungszentrum Naturum. Das liegt unweit des Hauptparkplatzes auf dem Weg zum Leuchtturm. Es ist zwischen Mai und Ende Oktober geöffnet. Die Öffnungszeiten und weitere Infos zum Naturum gibt es hier

Mein Tipp für Dich:
Früh am Morgen und jenseits der Ferienzeiten und der Hauptsaison kann man rund um Kullaberg ganz wunderbar die Natur in aller Ruhe genießen. Der Mai ist ein schöner Monat: Dann wird es sichtbar grün; die Tage fühlen sich nach Frühling an, während es nachts noch frisch sein kann. Das zaubert schöne Licht- und Landschaftsstimmungen.

Wandern Südschweden_Kullaberg_©Andrea C. Bayer

Meine kleine Wanderung: Die Strecke

Meine kleine Wanderung war mit ausgiebigen Foto- und Strandschlenkern 7,8 Kilometer lang, mit 311 Höhenmetern im Anstieg und 307 im Abstieg. Sie führte wie folgt:

Parkplatz Kullaberg > Italienska Vägen, Richtung Leuchtturm > nördlicher Wanderweg (blau markiert) > Ablahamn > Josefinelust > Querweg südwärts (gelb markiert) über Parkplatz Josefinelust > Restaurant Ransvik > südlicher Wanderweg (rot markiert) Richtung Leuchtturm > Kulla Mosse > Querweg (gelb markiert) zum Parkplatz Kullaberg

Tipp:
Diese kleine Runde kann um etliche Höhenmeter mehr ergänzt werden, indem man auf der Nordseite mehrere der Abstiegsmöglichkeiten runter zum Strand mitnimmt und die Küste erforscht.

Kullaberg_Wanderwege-Karte_©Andrea C. Bayer

Alle Informationen und Links: Stand April 2026

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