23 Menschen, eine Insel, zwei Nächte. Wenig Paddelei, viel Natur und jede Menge Spaß. Mein Kajak-Wochenende auf Hallands Väderö ist eines der Erlebnisse, die durch ihre Gesamtheit überzeugen. Außerdem erfülle ich mir mit der Überfahrt und Umrundung der kleinen Insel in Südschweden einen Traum, den ich seit meinem ersten Mal Hallands Väderö, zwei Jahre zuvor, geträumt habe.
Stockbett, Stauraum, Draußenkaffee
Die Überfahrt von Torekov aus ist schnell erledigt. Gerade einmal dreieinhalb Kilometer beträgt die Distanz zwischen Festland und Insel. Das Verhältnis zwischen Packen, Auspacken und Paddeln darf man zurecht hinterfragen. Meine Antwort: Für ein Wochenende, wie es mir bevorsteht, lohnen Stopferei und Schlepperei zwischen Auto, Boot und Unterkunft ohne auch nur einen Zweifel.
Es ist Freitagnachmittag, als sich meine Paddelgruppe vom Sandstrand in Torekov löst. Wir sind die Vorhut, eine zweite Gruppe wird folgen. Wie schon vor zwei Jahren in Blekinge, ist es ein Wochenende, das ich zusammen mit PaddlerInnen von Tjörns Kajakklubb und Helsingborgskanotisterna verbringe. Die Gemeinschaftsfahrt hat Tradition. Diesmal bin ich schon nicht mehr die Neue und lerne doch wieder neue Leute kennen. In aller Entspanntheit, die solche Unternehmungen in Schweden mit sich bringen und sie für mich so angenehm machen.
Wir beziehen unsere kleinen Vier-Bett-Zimmer auf dem Hof Skogvaktargården. Je zwei Stockbetten, ein Waschbecken, ein Tisch, ordentlich Stauraum und Kleiderhaken – die Gemeinschaftsunterkunft ist perfekt für Gruppen wie uns. Paddelklamotten trocknen und lüften an Zäunen und in der „Dagmars kapell“. In der Küche wird geköchelt und getratscht. Zwischen Sonnenauf- und -untergang sitzt immer jemand auf einer der Bänke im Garten. Welch friedlicher Ort!
Meinen Morgenkaffee trinke ich am Samstag in aller Ruhe etwas außerhalb des Hofes. Ich sitze auf einem flechtenbewachsenen Stein und gucke in den zartblauen Himmel. Die Luft riecht frisch; ich sauge Elemente meiner Lieblingslandschaft auf. Dann bin ich bereit für Frühstück, Packen, Starten.
Inselumrundung ohne Eile
Von Kappelhamn auf der Südseite der Insel geht’s im Uhrzeigersinn um Hallands Väderö herum. Das Eiland ist gerade einmal drei Quadratkilometer groß. Zehn Kilometer sind’s mit dem Kajak rundherum. Das könnte schnell erledigt sein, sollte es aber nicht. Es gibt nämlich ordentlich was zu erleben: Neugierige Seehundaugen begleiten uns die Westküste entlang. Mein Blick schweift hinüber zur Halbinsel Kullen. Ihre felsige Küste habe ich an einem fast windstillen Septembertag umpaddelt; im Anschluss an unser Wochenende auf Hallands Väderö werde ich ein Stück von Kullaberg erwandern.
An Land spazieren Schafe auf Klippen entlang. Auf der Nordwestspitze ist eine Runde Fotoshooting mit Leuchtturm angesagt. Und dann ist’s auch bald schon Zeit fürs Mittagessen.
Unsere bunten Boote zieren die Bucht oberhalb von Sandhamn. Wir zieren in unseren bunten Trockenanzügen und Paddeljacken schnell die Wiesenplätzchen zwischen Wachholderbüschen und Steinbrocken. In kleinen Grüppchen finden wir uns zusammen. Ich sitze windgeschützt und werde glatt ein wenig schläfrig. Wie gut, dass irgendjemand mit der Idee „Wollen wir rüber zum Kiosk und Eis essen?“ um die Ecke biegt!
Der Kiosk wird von der Kirche in Torekov verpachtet. Die nämlich verwaltet Hallands Väderö seit dem 13. Jahrhundert – wirtschaftlich getrennt von weiteren Gemeinde- und kommunalen Einnahmen. Ein Café gibt es auf der Insel, die trotz ihres Namens niemals zu Halland, sondern immer zur Provinz Skåne gehört hat, übrigens schon seit 1916.
Ich wage zu bezweifeln, ob mich meine zwei Kugeln Eis aus dem Mittagstief geholt haben. Für einen Glücksmoment haben sie allemal gesorgt. Das mit dem entschleunigten Genuss kann dieser Gruppe ziemlich gut!
Wandertag
Fast verpassen meine Mitpaddlerin Jasmine und ich den abendlichen Grillgenuss. Ein Spaziergang hat uns nach der Paddelei erst zum kleinen Inselmuseum und weiter zum Felsen-Flechten-Busch-Ensemble an der Südküste geführt. Wir schauen übers Wasser, hinüber nach Torekov und durch den Sucher meiner Kamera. Das Entdecken geht weiter, das Tratschen auch. Wir schmieden Pläne für weitere Paddeltreffen. Noch so ein Glücksmoment.
Am Sonntag ist Wandertag. Nach der Inselumrundung zu Wasser geht’s nun zu Fuß über die Insel. Das kenne ich schon: Vor zwei Jahren war ich das erste Mal auf Hallands Väderö. Mit großem Gepäck, weil ich mit Rucksack, Zelt, Kocher und Co. die Halbinsel Bjäre umwandert bin. Für einen Tagesausflug bin ich mit dem Holzboot „Nanny“ auf Hallands Väderö geschippert. Damals war der Kiosk zu und mein Herz schnell weit offen: Auf dem Inselchen treffen Feuchtgebiete mit Holzbohlenwege auf von Kühen und Schafen beweidete Wiesen, Wald und Sandstrände. Riesige Teppiche an Strand-Grasnelken sorgen für pinke Farbtupfer entlang der Felsenküste aus Gneis.
Auch heute gefällt mir diese Landschaftskomposition ausgesprochen gut. Ich lerne, dass der Artenreichtum auf Hallands Väderö im Verhältnis zur Ausdehnung der Insel einer der größten in ganz Schweden ist. Seit 1958 steht die Insel unter Naturschutz.
Das bedeutet auch, dass auf der Insel nicht gezeltet und nur an zwei Orten nach Buchung übernachtet werden darf: auf unserem Selbstversorgerhof Skogvaktargården und in den sechs Ferienwohnung des Fyrplatsen. Das sind die ehemaligen Leuchtturmwärterhäuser im Norden der Insel, die typischerweise für eine Woche gemietet werden können. Der Leuchtturm thront übrigens schon seit 1884 auf den Nordwestklippen von Hallands Väderö. Er ist 13 Meter hoch. 1964 wurde er automatisiert, seit 1995 ist er unbemannt.
67 Vogelarten und eine Königseiche
Mit jedem Mal, das ich auf Hallands Väderö bin, erfahre ich Neues. Diesmal lerne ich, dass im Waldgebiet im Süden der Insel die angeblich größte Wintereiche Schwedens steht. Sie trägt den Namen „Königseiche“, weil König Oscar II. Ende des 19. Jahrhunderts hier seinen Standplatz bei der Hasenjagd hatte. Zudem lerne ich etwas über mir bis dato wenig bekannte Vogelarten: Mein Mitpaddler Anders hat die Inselzeit für Vogelbeobachtungen genutzt und am Ende ganze 67 Arten gezählt, darunter einen seltenen Zwergschnäpper.
Zufrieden schleppe ich mein Hab und Gut nach zwei Inseltagen runter zum Strand, packe mein Kajak und paddle mit langsamen Schlägen zurück Richtung Torekov. Wieder einmal stelle ich fest: Auszeiten auf Inseln sind einfach etwas Besonderes. Viel Ruhe, viel Natur, dazu eine fröhliche Gemeinschaft, die sich durchweg auf Augenhöhe begegnet: Das Wochenende hat seinen Erholungszweck in vollem Umfang erfüllt. Darauf ein Abschlusseis im Hafen von Torekov – denn hier war ich ebenfalls vor zwei Jahren schon einmal …
Tack till alla er som har varit med.
Tack för en superfin helg.![]()
Infos & Tipps
Lage und Anreise:
Hallands Väderö liegt im nordwestlichen Skåne in Südschweden, vor der Küste der Halbinsel Bjäre. Den nächstgelegenen Festlandort Torekov erreicht man mit dem Auto von Malmö aus in knapp 1,5 Stunden.
Parken kann man gut direkt am Hafen, einsetzen am Sandstrand nördlich davon. Auch hier gibt es einen Parkplatz, von dem aus man die Boote schnell und einfach zum Strand tragen kann.
Übernachten:
Hallands Väderö ist Naturschutzgebiet; das Zelten auf der Insel ist verboten. Bitte halte Dich daran!
Es gibt mit dem Skogvaktargården im Süden und den Ferienwohnungen am Leuchtturm (Fyrplatsen) zwei Möglichkeiten, auf der Insel zu übernachten. Beide sind im Vorfeld zu buchen. Die Ferienwohnungen können zwischen April und Oktober wochenweise gebucht werden. Auf dem Skogvaktargården ist es auch möglich, einzelne Betten zu buchen. Die Buchungsfenster fürs jeweilige Jahr werden üblicherweise im Februar geöffnet.
Auf dem Skogvaktargården gibt es Zwei-Bett- und Vier-Bett-Zimmer mit Waschbecken, eine Gemeinschaftsküche und ein externes Toilettenhäuschen.
Infrastruktur:
Hallands Väderö wird zwischen April und Oktober auch vom Ausflugsboot „Nanny“ ab Torekov angefahren. Direkt am Inselanleger in Sandhamn gibt es ein kleines Café, das in der Sommersaison täglich geöffnet hat. Auf dieser Übersichtskarte sind unter anderem Toilettenhäuschen eingezeichnet.
Paddelrevier:
Die Überfahrt von Torekov zur Südküste von Hallands Väderö ist mit 3,5 Kilometern eine kurze. Die Inselumrundung beträgt etwa zehn Kilometer. Damit ist das Revier ideal für eine Tagestour. Zu achten ist vor allem im Sommerhalbjahr auf Freizeitverkehr auf dem Wasser. Unbedingt zu berücksichtigen sind die auf dieser Karte eingezeichneten Seehund- und Vogelschutzgebiete.
Ein Ausflug nach Hallands Väderö kann gut kombiniert werden mit einer Mehrtagestour entlang der südschwedischen Westküste. Auch weitere Tagestouren, zum Beispiel um die südlich der Halbinsel Bjäre gelegene Halbinsel Kullen mit den markanten Klippen und Grotten von Kullaberg, sind zu empfehlen.
Mein Tipp für Dich:
Nimm Dir die Zeit, Hallands Väderö auch zu Fuß zu erkunden! So klein die Insel ist, so vielseitig ist sie. Du gehst durch Wälder, über Bohlenwege durch Sumpfgebiete, über Weideflächen, Felsen und Sandstrand. Hier findest Du eine Übersichtskarte, auf der die markierten Wege und Pfade eingezeichnet sind. Mehr zum Inselwandern und zur Anreise ohne eigenes Kajak findest Du in diesem Beitrag.
Alle Links und Informationen: Stand April 2026








