Freitag Nachmittag. Das Kajak ist auf dem Dach, die Wetterprognose verspricht Sommer und mir ist nach Inseln, Zelt und Draußenzeit. Wieder einmal bin ich froh und dankbar, mit der Ostseeküste ein So-nah-dran-Ziel zu haben, das diese Wünsche meisterlich erfüllt: Ich werde in Årøsund starten und das Wochenende im Kleinen Belt in Süddänemark verbringen.

Das Boot ist schnell klariert, das Auto bequem direkt am Segelhafen geparkt und ich nehme Kurs auf die Nordwestküste der Insel Årø. Wohl wissend, dass dieser erste Kilometer über den Årø Sund der “unangenehmste” der ganzen Unternehmung werden wird: In der Hauptsaison sind hier recht viele Motorboote unterwegs, die Paddler wie mich nicht unbedingt erwarten… Also: Augen auf, langsam herantasten und dann fix rüber paddeln.

Geschafft! Nun also ist Wochenende, Entspannen und Genießen angesagt. Die Distanzen zwischen den Inseln sind klein und ich möchte an diesem Nachmittag lediglich hinüber nach Bågø, was ab Årøsund nur rund acht Kilometer sind. Perfekt für den Auftakt ins Wochenende – auch, wenn die Ankunft mal etwas später erfolgt!

Während sich um mich herum Wolkenberge auftürmen und die Sonne aus ihrem blauen Bett heraus lacht, umpaddle ich zunächst die recht flache Nordseite von Årø. Mit vernünftigem Abstand zu der als Naturreservat ausgewiesenen Moränen- und Vogelinsel Bastholm und den Nachbarinselchen Småholme geht es dann auf direktem Kurs nach Bågø.

Die vom warmen Nachmittagslicht angestrahlte Steilküste auf der westlichen Seite der Insel ist mein erstes Ziel: Hier kann man für eine Pause gut anlanden und über Sand- und Steinstrand stromern.

Bågø ist mit nur gut sechs Quadratkilometern Fläche eine wahrlich kleine Insel, die jedoch eine erstaunlich große Vielfalt in ihrer Beschaffenheit aufweist. Das gilt für die Küsten, aber auch Moor, Wald und landwirtschaftlich genutztes Gebiet findet man auf einem Streifzug an Land.
Tipp: Es lohnt, sich die Zeit zu nehmen, um das Inselchen zu Fuß zu erkunden. Entweder auf eigene Faust oder einem der drei ausgewiesenen Spazierwege von 3,5 bis fünf Kilometern Länge folgend.

Das Sonnenuntergangspanorama habe ich später ganz für mich: Ich sitze am südwestlichen Strand, in der Ferne zieht noch das eine oder andere Segelboot vorbei, ein Fischer tuckert in akzeptablem Abstand vor mir vorbei. Danach: Stille. Nur acht Paddelkilometer bin ich vom Festland und von meinem Alltag dort entfernt. Faktisch also nicht wirklich weit. Und doch fühlt es sich genau so an, als ich schließlich in mein Zeltchen krabble und mich, in den Schlafsack eingemummelt, schon auf meinen Morgenkaffee mit Meerblick freue…

Der nächste Morgen ist genau so, wie erwartet. Das Wasser liegt spiegelglatt vor mir. Ich umrunde Bågø. Das nordwestliche Gebiet ist eindeutig von Vögeln besiedelt; an der Nordostküste sowie beiderseits des Hafens im Süden kann man gut anlanden.

Tipp: Im Hafen von Bågø kann man Fahrräder für eine Inselerkundung leihen. Zwischen Ende Mai und Anfang September ist der Hafenkiosk geöffnet, der neben Getränken und Kleinigkeiten zu essen auch frisches Gemüse verkauft sowie, auf Bestellung, Brötchen am Morgen. Und alles ist so nett und klein und im positivsten Sinne dänisch, dass man am liebsten einfach bleiben würde…

Ich aber möchte heute weiter und so viel Tag wie möglich auf dem Wasser verbringen. Vor dem Leuchtturm von Bågø, der die Insel seit 1816 in seiner heutigen Form bewacht, halte ich nochmal kurz inne. Als weder von links noch von rechts Boote zu erkennen sind, paddle ich auf die Nordostspitze von Årø Kalv zu.

Die Halbinsel Årø Kalv wird mein Mittagspausenplatz. Mal wieder so einer, den ich ganz für mich habe. Beziehungsweise so gut wie: Mit rücksichtsvollem Abstand kommen ein paar Spaziergänger vorbei, die dieses Stückchen Erde, das mit seinen Sandzungen und mitunter dicht grünem Bewuchs von Aarø abzweigt, ebenfalls für sich entdeckt haben.
Tipp: Das Naturschutzgebiet Årø Kalv kann und darf erwandert werden. Wer mehr Zeit auf Årø verbringt, sollte unbedingt zu einer kleinen Tour zu Fuß starten.

Kurz überlege ich, ob ich Årø noch umrunde. Genau wie Bågø lädt die Insel mit ihrem Hafen, den kleinen Gassen, bunten Häusern und einem Netz an markierten Spazierwegen zu weiterer Erkundung ein. Doch dazu vielleicht ein ander Mal mehr…
Ich nehme den Weg um die Nordseite zurück nach Årøsund und paddle die von Ferienhäusern gesäumte Küste Richtung Norden. Die Mündung des Haderslev Fjord ist weder breit noch stark frequentiert, so dass ich mühelos hinüber komme.

Der Himmel wird immer dunkler und von Osten her ziehen Wolkenformationen auf, die mich dazu bewegen, das Schauspiel sicherheitshalber von Land aus zu beobachten. Während meiner Kaffeepause in der Bucht Avnø Vig entscheide ich schließlich, einfach hier zu bleiben.

Ich weiß von früheren Touren, wo ich zelten kann. Ich bin 31 Kilometer gepaddelt. Warum also den Tag nicht gemütlich mit Kochen und vor dem Zelt sitzen ausklingen lassen…?

Nach dem Sonntagsfrühstück bin ich neugierig: Zwei Spaziergängerinnen haben mir am Vorabend noch empfohlen, bis zum Ende der Bucht und dann weiter in den Sillerup Bæk zu paddeln. Die Einfahrt ist etwas versteckt; links und rechts säumt dichtes Grün meinen Weg. Ja, es ist so, wie die Beiden gestern gesagt haben: ein bisschen wie im Urwald. Immer schmaler wird der Bach; das Wasser reflektiert auffallend kalt und auch die Farbe ist ein ungewohntes und ebenfalls kaltes Blau-Grün.

Der Abstecher ist ein netter und unerwarteter Abschluss dieser kleinen Wochenendtour, die ich mit der kurzen Strecke von Avnø Vig zurück nach Årøsund beende. Der Himmel ist trüb und verhangen; da fällt der Abschied nicht ganz so schwer und schon auf der Heimfahrt überlege ich, welche Ecke im Kleinen Belt ich mir beim nächsten Mal vornehme. Denn ein Problem gibt es in diesem Gewässer: Es ist überall schön und die Möglichkeiten sind vielfältig. Egal, ob für ein entspanntes oder sportliches Wochenende, für zwei Tage oder länger…

Infos & Tipps:
Årøsund ist ein idealer Startpunkt für Paddler: Das Auto kann am Hafen geparkt werden. Nördlich des großen Hafenparkplatzes führt ein Wanderweg durch ein paar Bäume hindurch, auf der linken Seite liegt ein Gebäude des Ruderklubs Haderslev und genau gegenüber geht es direkt zum Strand, an einem Shelterplatz vorbei. Boot und Ausrüstung sind also nicht weit zu tragen und das Einsetzen ist Dank Sandstrand auch für Solopaddler komfortabel.

Die hier beschriebenen Etappen:
(1) Årøsund > Årø, Nord > Bågø, West: 8 km
(2) Rund Bågø > Årø Kalv > Årø, Nord > Aarøsund > Avnø Vig: 31 km
(3) Avnø Vig > Sillerup Bæk > Årøsund: 12 km

Die zwei Inseln Årø und Bågø habe beide einen Segelhafen und laden dazu ein, auch von Land aus erkundet zu werden. Zu Fuß oder mit Leihfahrrädern.

Neben frei zugänglichen und öffentlich ausgewiesenen Zeltplätzen gibt es in Dänemark auch die Möglichkeit, in einem Shelter zu übernachten. Zelt- und Shelterplätze sind auf der (dänischen) Website www.udinaturen.dk verzeichnet. Im Gebiet der beschriebenen Tour gibt es drei Shelterplätze: an der Einsatzstelle in Årøsund (Årøsund Havn), beim Hafen auf Årø (Årø Havn) und etwas südlich von Årøsund (Råde Strand). Gegen Gebühr darf die Infrastruktur der Häfen von Årø und Årøsund genutzt werden.
(Stand: Dezember 2019)

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